Mobilfunker AT&T will mit 50-Mrd-Deal Pay-TV-König werden

Dallas (Texas) (APA/Reuters) - Der Mobilfunk-Riese AT&T expandiert und will sich für 50 Mrd. Dollar (36,5 Mrd. Euro) die Krone im US-amerika...

Dallas (Texas) (APA/Reuters) - Der Mobilfunk-Riese AT&T expandiert und will sich für 50 Mrd. Dollar (36,5 Mrd. Euro) die Krone im US-amerikanischen Bezahlfernsehen sichern. Dafür soll mit DirecTV der führende Pay-TV-Sender in den USA übernommen werden.

Das Vorhaben ist eine Wette auf die Zukunft: AT&T setzt auf das Zusammenwachsen von Fernsehen und Mobilfunk. Denn immer mehr Menschen schauen von unterwegs ihre Lieblingssendungen. Mit DirecTV habe AT&T die Möglichkeit, Inhalte auf alle Endgeräte der Kunden zu bringen, unabhängig davon, ob dies Smartphones, Tablets, Laptops oder herkömmliche Fernseher seien, erklärte AT&T-Chef Randall Stephenson.

Der zweitgrößte Mobilfunker in den USA teilte am Sonntagabend mit, 95 Dollar je DirecTV-Aktie zu bieten. Das ist ein Aufschlag von zehn Prozent auf den Schlusskurs des Papiers von Freitagabend. Die Barkomponente betrage 28,50 Dollar je Anteilsschein. Der Rest soll in AT&T-Aktien gezahlt werden. Inklusive der Schulden von DirecTV, die der Käufer auch schultern muss, ist die Transaktion sogar 67 Mrd. Dollar schwer. Allerdings müssen die Kartellwächter den Deal noch absegnen.

AT&T kann sich den Kauf leisten, da das Unternehmen zusammen mit dem größeren Rivalen Verizon den US-Mobilfunkmarkt beherrscht. Ein Großteil der Gewinne der Branche wandert in die Taschen des Duos. US-Bürger haben im Schnitt, also unter Einbeziehung der kleineren Betreiber Sprint und T-Mobile US, wesentlich höhere Mobilfunk-Rechnungen: Nach Angaben des Branchenverbands GSMA berappen sie im Monat 69 Dollar, während es in der EU lediglich 38 Dollar sind.

Die dank der hohen Preise volle Unternehmenskasse wollte AT&T eigentlich schon länger für eine Einkaufstour nutzen und bot 2011 für die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US 39 Mrd. Dollar. Der Plan scheiterte aber am Veto der Wettbewerbshüter.

Später spielte der Konzern mit 110 Millionen Handy-Kunden den Sprung nach Europa durch - ganz oben auf der Wunschliste stand der Mobilfunker Vodafone. Da die Briten sich aber zur Abwehr für viel Geld bei Kabelnetz-Betreibern wie Kabel Deutschland einkauften, verlor AT&T schließlich das Interesse. Zudem richtet sich der Blick wieder zurück auf den Heimatmarkt, da dort Ungemach droht, seitdem der Kabelnetz-Betreiber Comcast für 45 Mrd. Dollar den Rivalen Time Warner Cable kaufen will. Der Kampf um Internet- und Fernsehkunden dürfte zwischen New York und San Francisco damit wesentlich härter werden.

Um sich die Zustimmung der Kartellbehörden zu sichern, kündigte AT&T bereits den Verkauf seiner knapp achtprozentigen Beteiligung an America Movil an, der vom mexikanischen Milliardär Carlos Slim kontrollierten Firma. DirecTV hat in Lateinamerika etwa 18 Millionen Kunden, in den USA 20 Millionen. Sollten die Wettbewerbshüter den Deal platzen lassen, muss AT&T keine Vertragsstrafe zahlen, wie eine mit dem Vorhaben vertraute Person Reuters sagte. Sollte aber DirecTV ein höheres Gegengebot annehmen, wären 1,4 Mrd. Dollar Strafe fällig.

~ ISIN US00206R1023 WEB http://www.att.com ~ APA391 2014-05-19/14:57