EZB-Direktor Mersch: Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung gestiegen

Frankfurt (APA/dpa) - Angesichts des geringen Preisauftriebs im Euroraum stimmen Europas Währungshüter die Märkte derzeit ungewohnt deutlich...

Frankfurt (APA/dpa) - Angesichts des geringen Preisauftriebs im Euroraum stimmen Europas Währungshüter die Märkte derzeit ungewohnt deutlich auf eine bevorstehende Lockerung der Geldpolitik ein. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gouverneursrat bereits auf seiner nächsten geldpolitischen Sitzung im Juni handelt, ist dabei erheblich gestiegen“, sagte EZB-Direktor Yves Mersch am Montag in München.

Der EZB-Rat sei sich darin einig, sowohl Sondermaßnahmen als auch konventionelle geldpolitische Instrumente einzusetzen, um die Risiken sehr niedriger Inflation über einen zu langen Zeitraum effektiv einzudämmen, so Mersch.

Zwar könne von einer akuten Gefahr einer Deflationsspirale mit sinkenden Preisen quer durch die Warengruppen derzeit keine Rede sein. Es sei aber unbestritten, dass die Inflationsrate derzeit sehr niedrig ist. Das berge die Gefahr, dass die langfristigen Inflationserwartungen aus ihrer Verankerung gelöst werden könnten, sagte Mersch: „Zugleich wird es für die Krisenländer schwerer, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.“ Denn Lohnzurückhaltung sei zwar ein gangbarer Weg für Gesellschaften, die ihre Lohnstückkosten senken müssen. „Lohnsenkungen sind dagegen nur sehr schwer durchsetzbar.“

Unter Berufung auf Empfehlungen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte der „Spiegel“ am Wochenende im Voraus berichtet, der Leitzins könnte auf der Ratssitzung Anfang Juni von derzeit 0,25 Prozent auf das neue Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt werden. Der Einlagezins könnten auf minus 0,1 Prozent fallen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte schon nach der jüngsten Ratssitzung Anfang Mai für den Juni Maßnahmen gegen die niedrige Inflation in Aussicht gestellt.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA455 2014-05-19/16:12