Insider: Credit Suisse erkennt Schuld im US-Steuerstreit an

Washington/Zürich (APA/Reuters) - Für die Schweizer Großbank Credit Suisse schlägt im Steuerstreit mit den USA die Stunde der Wahrheit. In e...

Washington/Zürich (APA/Reuters) - Für die Schweizer Großbank Credit Suisse schlägt im Steuerstreit mit den USA die Stunde der Wahrheit. In einer Vereinbarung mit den US-Behörden dürfte die Nummer zwei der Schweizer Finanzbranche wahrscheinlich noch am Montagabend formell zugeben, reichen Amerikanern Beihilfe zu Steuerhinterziehung geleistet zu haben, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Montag.

Daneben dürfte die Bank eine Geldstrafe von mehr als zwei Milliarden Dollar (1,46 Mrd. Euro) akzeptieren. Sprecher der Bank und der US-Behörden wollten dazu nicht Stellung nehmen oder waren zunächst nicht erreichbar. Zuletzt verhandelte die Bank mit dem US-Justizministerium, der amerikanischen Notenbank Fed sowie dem Bankenregulator des US-Bundesstaates New York.

Mit mehr als zwei Milliarden Dollar würde Credit Suisse die größte Strafe in der Schweizer Bankgeschichte zahlen. Der Steuerstreit käme die Bank viel teurer als die 780 Millionen Dollar, die der Branchenführer UBS wegen der gleichen Sache im Jahr 2009 gezahlt hatte. Die Strafe wäre schmerzhaft, sie läge aber immerhin unter dem bisher von Analysten prognostizierten Gewinn für das laufende Jahr. Für die Aktionäre könnte die Strafe nach Ansicht von Analysten aber eine Dividendenkürzung bedeuten.

Der höchste Vergleichssumme in der Branche sind die 13 Milliarden Dollar, die JP Morgan 2013 für Fehler beim Verkauf von US-Hypothekenkrediten bezahlt hatte.

Weniger klar sind die Folgen einer Schuldanerkennung. Ein formelles Schuldeingeständnis eines Finanzkonzerns ist ein höchst seltener Vorgang. Unklar ist, wie Kunden und Geschäftspartner der Bank darauf reagieren. Die Behörden schreckten in den letzten Jahren dann auch meist vor formellen Anklagen von großen Finanzhäusern zurück. Sie befürchteten Erschütterungen im weltweiten Finanzsystem. Vor mehr als zehn Jahren brach der renommierte US-Wirtschaftsprüfer Arthur Anderson zusammen, nachdem die Justizbehörden im Zusammenhang mit dem Energiehändler Enron Klage gegen die Firma mit damals 28.000 Mitarbeiter erhoben hatten.

In den vergangenen Woche signalisierte US-Justizminister Eric Holder, dass sich die US-Justizbehörden des Problems bewusst sind und eng mit den Banken-Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um das tägliche Geschäft der Bank nicht zu gefährden.

An der Schweizer Börse hielten sich die Sorgen der Anleger in Grenzen. Die Credit-Suisse-Aktie sank 0,5 Prozent, während der Titel der UBS 0,7 Prozent verlor und der europäische Bankenindex um 0,8 Prozent sank. Börsenhändler waren der Ansicht, dass eine Strafe in der Größenordnung von zwei Milliarden Dollar im Aktienkurs bereits enthalten ist. In der vergangenen Woche hatten Insider erklärt, die Bank müsse 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen. Davon würden 500 Millionen Dollar oder mehr an die New Yorker Finanzaufsicht gehen.

Ob die Einigung mit dem Amerikanern personelle Konsequenzen bei Credit Suisse haben wird, ist offen. Das „Wall Street Journal“ berichtete am Montag mit Berufung auf Insider, Konzernchef Brady Dougan und Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner würden ihre Ämter behalten. Dagegen forderten Schweizer Politiker Dougan und Rohner zum Rücktritt auf. Zuletzt erklärte der einflussreiche SVP-Politiker uns frühere Justizminister Christoph Blocher, die beiden Spitzenleute sollten ihre Ämter abgeben. „Es geht um Verantwortung nicht um Schuld“, sagte Blocher der Zeitung „Schweiz am Sonntag“.

~ ISIN CH0012138530 WEB https://www.credit-suisse.com ~ APA536 2014-05-19/18:20