China holt mehr als 3.500 weitere Staatsangehörige aus Vietnam zurück

Peking/Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) (APA/AFP/Reuters) - Nach antichinesischen Massenprotesten in Vietnam hat China die Massenevakuierungen sei...

Peking/Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) (APA/AFP/Reuters) - Nach antichinesischen Massenprotesten in Vietnam hat China die Massenevakuierungen seiner Staatsbürger aus dem Nachbarland fortgesetzt. Am Montag verließen vier Schiffe mit mehr als 3.500 Chinesen an Bord den Hafen Vung Ang, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Bis zum Wochenende waren bereits mehr als 3.000 Chinesen über den See- oder den Luftweg nach Hause zurückgekehrt.

Die Verlegung einer chinesischen Tiefseebohrplattform vor die von China und Vietnam beanspruchten Paracel-Inseln hatte zu erheblichen Spannungen im Verhältnis beider Länder geführt. In den vergangenen Tagen war es deswegen in 22 von 63 Provinzen in Vietnam zu gewaltsamen Protesten gegen chinesische Einrichtungen gekommen. Mehr als 400 Unternehmen in chinesischer Hand oder mit chinesischer Belegschaft wurden attackiert und teilweise niedergebrannt, wie die vietnamesische Regierung mitteilte. Demnach wurden zwei Menschen getötet und 140 weitere verletzt. Zwischenzeitlich kursierten auch wesentlich höhere Opferzahlen.

Die ersten Proteste fanden offenbar mit Billigung der Regierung in Hanoi statt, doch dann gerieten sie außer Kontrolle und Hanoi schritt ein. Hunderte Sicherheitskräfte wurden am Sonntag zur Niederschlagung von Kundgebungen eingesetzt, gegen 300 Verdächtige wurden vietnamesischen Angaben zufolge Ermittlungen eingeleitet. Am Montag wurden keine neuen Zwischenfälle mehr gemeldet. Gleichzeitig sagten die Behörden den betroffenen Firmen Hilfen zu.

Hanoi fürchtet, die Gewalt gegen chinesische Einrichtungen könnte dringend benötigte internationale Investoren abschrecken. In einem Kommentar warnte die staatliche chinesische Zeitung „China Daily“, die Ausschreitungen könnten Vietnams Wirtschaft langfristig schaden. Mangelndes Vertrauen in Vietnams Investitionsklima könnte „verständlicherweise“ dazu führen, dass Investoren zögerten, schrieb das Blatt am Montag. „Für diejenigen, die bereits Fabriken in dem südostasiatischen Land unterhalten, geht es nun um die Frage: Bleiben oder nicht?“.

Das ist aber offensichtlich nicht zwingend so. „Vietnam ist einer der attraktivsten Fabrikstandorte“, sagte der Sprecher des Schuhherstellers Yue-Yuen Jerry Shum, der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Die Arbeiter seien fachkundig, gewissenhaft und kompetent. Außerdem führte er das Lohnniveau als Vorzug im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern an.

Nach Angaben von Xinhua hat eine Reihe größerer chinesischer Reiseveranstalter ihre Vietnam-Touren bereits ausgesetzt. Das Außenministerium erklärte zudem am Montag, die Proteste hätten bereits Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen. Weitere Maßnahmen könnten „je nach Entwicklung“ folgen.

Bei einem ähnlichen Inselstreit mit Japan war es im Jahr 2012 in mehreren größeren Städten Chinas zu Ausschreitungen gegen japanische Interessen gekommen, der Schaden belief sich nach Angaben aus Tokio auf deutlich mehr als 70 Millionen Euro. Die Regierung in Peking sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie die Proteste zugelassen hatte.