Wiener Prater - Vom kaiserlichen Jagdrevier zum Vergnügungspark

Wien (APA) - Der Wiener Wurstelprater ist wohl Österreichs bekanntester Vergnügungspark und vor allem dank des Riesenrads auch weit über die...

Wien (APA) - Der Wiener Wurstelprater ist wohl Österreichs bekanntester Vergnügungspark und vor allem dank des Riesenrads auch weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Das mit zahlreichen Fahrgeschäften und Lokalen besiedelte Areal in der Leopoldstadt, das sich im weitläufigen Erholungsgebiet Prater befindet, kann bereits auf eine lange Tradition zurückblicken.

Der Prater war einst kaiserliches Jagdrevier und damit nur dem Adel zugänglich. Kaiser Josef II. ließ die Grünflächen 1766 schließlich für das Volk öffnen und genehmigte gleichzeitig die Errichtung von Gastronomieständen. Neben ersten Buden von Wirten, Kaffeesiedern und Lebzeltern sorgten bald auch Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen für Unterhaltung. Damit war der Vorläufer des späteren Wurstelpraters geboren.

Große Veränderungen des Areals zog die Weltausstellung 1873 mit 53.000 Ausstellern nach sich. Als Zentrum wurde - am heutigen Standort der Wiener Messe - eine 84 Meter hohe Rotunde errichtet, die 1937 einem Brand zum Opfer fiel. Ende des 19. Jahrhunderts entstand das Vergnügungsareal „Venedig in Wien“, in dessen Mitte 1897 das Riesenrad errichtet wurde. Nun wurde der Wurstelprater mehr und mehr zum Unterhaltungsort. „Hutschenschleuderer“, Kuriositätenkabinette und Puppentheater in Holzbuden buhlten ebenso um die Gunst des Publikums wie erste Fahrgeschäfte a la Hochschaubahn und Autodrom. 1928 nahm die Liliputbahn ihren Betrieb auf.

1938 ging der Prater in das Eigentum der Gemeinde Wien über. Ende des Zweiten Weltkriegs fiel ein Großteil des 260.000 Quadratmeter großen Vergnügungsparks einem Brand zum Opfer. Der Wiederaufbau gelang vor allem mithilfe von Privatinitiativen. Im Lauf der Jahrzehnte kamen immer weitere und moderne Attraktionen hinzu. Inzwischen gibt es rund 250 Fahrgeschäfte. Viele Restaurants und Lokale - darunter etwa das bekannte „Schweizerhaus“ - verköstigen die jährlich rund 4,2 Millionen Prater-Besucher.

Die letzten großen Umbauten erfolgten vor einigen Jahren mit der völligen Neugestaltung des Prater-Entrees. Der Vorplatz wurde unter dem Motto „Wien um 1900“ umgestaltet. Das Projekt wurde allerdings nicht nur ästhetisch scharf kritisiert, sondern hatte auch ein politisches Nachspiel. Nicht zuletzt aufgrund der Kostenexplosion von ursprünglich 32 Mio. Euro auf beinahe die doppelte Summe und heftiger Kritik an den Modalitäten der Auftragsvergaben musste die zuständige SPÖ-Stadträtin und Vizebürgermeisterin Grete Laska 2009 schließlich den Hut nehmen - wobei damals versichert wurde, dass ihr Rücktritt rein private Gründe habe.