Ukraine-Krise - Experte: Oligarchen spielen „eigenes Spiel“

Kiew (APA) - Der Konflikt in der Ukraine sei „viel komplizierter und vielschichtiger“ als angenommen werde. Die Partei der Regionen und die ...

Kiew (APA) - Der Konflikt in der Ukraine sei „viel komplizierter und vielschichtiger“ als angenommen werde. Die Partei der Regionen und die Oligarchen würden ihr „eigenes Spiel“ treiben, meint der Journalist und Dolmetscher aus Lwiw (Lemberg) Juri Durkot im Gespräch mit der APA. „Der zentrale Punkt muss die Korruptionsbekämpfung sein.“

„Die Oligarchen und Eliten waren bis heute fast pervers korrupt. Die Polizei hat mit Kriminellen zusammengearbeitet. Die Behörden, Staatsanwaltschaft und Gerichte waren korrupt und ließen sich fast immer bestechen.“ Dieses System „muss man von Grund auf reformieren“, betont der Journalist.

Die Wirtschaft habe unter dem gegenwärtigen System immer gelitten. Er kenne Kleinunternehmer, die einen Korruptionsaufschlag von 40 Prozent zahlen müssten, so Durkot.

Die finanzielle Situation in der Ukraine sei „wirklich kritisch“. „Dass die Russen investieren, ist unwahrscheinlich, das ist politisch nicht gewollt.“ Im Moment gehe es darum, die Insolvenz abzuwenden.

„Es ist ein Mythos, dass der Osten das gesamte Land ernährt.“ Der industrielle Osten als Kohle- und Stahlrevier sei gleichzeitig auch der größte Nettoempfänger aus dem Haushalt. „Der Osten war die Region, die am meisten mit der Macht verschmolzen war. Diese hat Angst ihren Einfluss zu verlieren, auch wenn sich das System ändert nach einem Machtwechsel“, betont der Journalist.

„Die Eliten im Osten und Behörden spielen ihr eigenes Spiel.“ So hätte Rinat Achmetow, der reichste Oligarch des Landes und Herr über ein riesiges Geschäftsimperium in der Region, laut dem Übersetzer die Situation im Donbass „ohne Probleme“ unter Kontrolle bringen können. Kiew dagegen habe keine Kontrolle über den Osten. Die Bevölkerung in der Ostukraine lebe unter sehr schlechten sozialen Bedingungen.

Die Unabhängigkeitsreferenden könne man laut Durkot nicht als solche bezeichnen. Es ginge um Umfragen, „wo bewaffnete Männer rumlaufen“. Zudem warnt der Übersetzer vor einer anhaltenden „Destabilisierung“ durch Moskau. „Russland hat die Separatisten finanziell und organisatorisch unterstützt.“ Eine Großdemonstration in Donezk für die Einheit des Landes sei „von Vermummten überfallen“ worden und „die Polizei hat nur zugeschaut“.

„Die Russen wollen die Wahlen (ukrainische Präsidentschaftswahlen am 25. Mai, Anm.) torpedieren.“ Besonders die „russische Propaganda ist ein großes Problem. Man hat keine Chance sich zu wehren.“ Es würden „dreiste Lügen verbreitet“. Ohne westlichen Druck, viel stärker als er aktuell ist, werde sich die Lage nicht beruhigen.

Das groß angelegte Agieren von Rechtsradikalen in der Ukraine sei jedoch ein „großer Mythos“, auch jüdische Organisationen würden das so sehen. „Es gibt sie auch (wie in Europa und anderen Ländern, Anm.) in der Ukraine, sie haben aber politisch und gesellschaftlich keinen Einfluss.“ Der rechte Sektor liege in Meinungsumfragen unter einem Prozent. „Der Rechtsextremismus und die Fremdenfeindlichkeit sind in Russland deutlich gefährlicher als in der Ukraine.“