Ukraine-Krise - Arzt: Keine Angst der Leute für Befreiung zu sterben

Kiew (APA) - „Der stärkste Moment (der Proteste am ukrainischen Maidan) war am 20. Februar, viele Menschen sind gestorben, aber keiner hat d...

Kiew (APA) - „Der stärkste Moment (der Proteste am ukrainischen Maidan) war am 20. Februar, viele Menschen sind gestorben, aber keiner hat den Maidan verlassen, sondern es sind immer mehr gekommen“, meint Alexander Pyvovarov gegenüber der APA. Als freiwilliger Arzt erlebte er seit Ende November die Maidan-Proteste mit. „Da habe ich verstanden, dass wir gewonnen haben.“

„Weil die Leute keine Angst hatten, für die Befreiung vom Regime (des gestürzten Präsidenten Viktor) Janukowitsch zu sterben“, ergänzt Pyvovarov. „Ich denke, (der russische Präsident Wladimir) Putin brachte den Konflikt zum Eskalieren, als er seine Kontrolle in der Ukraine verloren hat, als Janukowitsch weggerannt ist. Seine Pläne sind, die östlichen und südlichen Regionen der Ukraine abzutrennen, damit er einen (direkten) Zugang zu Transnistrien und Europa erhält. (...) Niemand hat erwartet, dass Russland die Krim im Februar annektiert.“ Die Separatisten seien zu 90 Prozent Ukrainer, die aber „sehr gut mit Waffen und Geld“ von Russland unterstützt würden.

Janukowitsch habe den Prozess, das mit der EU geplante Assoziierungsabkommen zu unterzeichnen, nach einem Besuch in Moskau gestoppt. „Janukowitsch hat hinsichtlich seiner EU-Bestrebungen gelogen. Er hat die Leute betrogen.“ Russland habe vom Start weg auf die Umbrüche in der Ukraine reagiert, erinnert sich das Mitglied der ukrainischen „Organisation Volontär-Mediziner“. „Als (die Proteste auf dem) Maidan begonnen haben, hat Russland mit Informationspropaganda gegen die Ukraine begonnen. Alle russischen Agenturen haben berichtet, dass der Maidan von US- und EU-Spionen organisiert wurde etc.“

Die EU sei in ihrer Reaktion auf den Konflikt „sehr passiv“, beurteilt Pyvovarov. „Die Ukrainer sind von der EU sehr enttäuscht, weil die dort nicht verstehen, wenn die Russen damit beginnen andere Länder zu erobern, dann hören sie damit nicht auf. Putin will eine UDSSR 2.0.“

„Putin wird uns (Ukrainer, Anm.) niemals gehen lassen, für ihn ist das russisches Reich.“ „Die Leute lernen nie aus der Geschichte“, erkennt der Arzt Parallelen zum Zweiten Weltkrieg. Wenn Russland die Ukraine übernehme, werde sie zu einer russischen Militärbasis und -produktion. Die Ukraine habe großes, für die EU interessantes Potenzial, etwa im IT-Bereich oder ihre gute Erde. Jedoch fällt ihm ein Sprichwort ein: „Der Satte glaubt dem Hungrigen nicht.“

Zu den Präsidentschaftswahlen am 25. Mai will Pyvovarov gehen, er geht davon aus, dass sie „fair“ verlaufen werden. Präsidentenkandidat Petro Poroschenko sei zwar „nicht die beste Wahl“, aber er habe viel für eine europäische Integration getan. „Poroschenko ist aus der alten Schule, aber er ist pro-europäisch. Es ist eine Wahl für die politische Richtung, nicht die Person.“ Wenn Poroschenko sein Amt missbrauche, „wird es zu einem Dritten Maidan kommen“. „Die Ukrainer haben sich geändert“. Der „Erste Maidan“ hatte 2004 als Orangene Revolution stattgefunden. Die Hoffnungen der Leute erfüllten sich jedoch nicht.

„Reformen müssen eingeleitet werden, wenn wir von Russland frei sein wollen, wir hängen immer noch von ihnen ab.“ Administrative, politische und wirtschaftliche Reformen könnten laut Pyvovarov die Situation stabilisieren. „Ich will, dass mein Kind in Freiheit aufwächst.“ „Wir leben immer noch mit der Sowjetvergangenheit und wir müssen das sobald wie möglich beenden. Lebend.“