Ukraine-Krise - TUMA: Aktiver Protest von Ukrainern in Österreich

Kiew/Wien (APA) - Wie erleben junge, in Österreich lebende Ukrainer das Geschehen in ihrem Heimatland? Roman Bolyukh, für Presseanfragen bei...

Kiew/Wien (APA) - Wie erleben junge, in Österreich lebende Ukrainer das Geschehen in ihrem Heimatland? Roman Bolyukh, für Presseanfragen bei dem in Wien ansässigen Verein „Gesellschaft ukrainischer Jugend in Österreich (TUMA)“ zuständig, gibt einen persönlichen Einblick und schildert den aktiven Protest von Ukrainern in Österreich:

„Es ist eine lange Geschichte, die noch im November 2013 begonnen hat. Die damalige Regierung hat auf einmal verkündet, dass die Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt wurden und das zwei Wochen vor der geplanten Unterzeichnung. Das wurde wie eine Watsche von der Mehrheit der Ukrainer empfunden, es war aber noch kein Beinbruch. Ein Paar Hunderte bzw. Tausende Studenten haben in der Ukraine eine Demonstration spontan organisiert. Das Ausmaß dieser Demonstration war überschaubar.

Auch in Wien haben ein paar aktive Studenten einfach über Facebook eine Demonstration organisiert. Es war ein regnerischer Abend bei der Pestsäule am Graben. Es haben sich ca. 100 Menschen versammelt, einfach um zu zeigen, welche Richtung wir bevorzugen. Es waren noch keine Emotionen im Spiel, um große Menschenmassen zu bewegen, aber man wollte auch nicht stumm halten.

Später kam die brutale Auflösung der Demonstration in der Ukraine, wo in der Nacht ca. 200 Studenten von der Polizei brutalst niedergeknüppelt wurden. In dem Moment begann die Emotionalisierung. Die Wut ist in den Menschen hochgekommen: entweder wir gehen auf die Straße oder wir werden ein zweites Weißrussland sein. So auch in Wien. Es wurden Dutzende Demos organisiert in der Innenstadt, beim Innenministerium, Außenministerium, Kanzleramt, bei OSZE Treffen, bei den Firmen und Kanzleien, welche Gelder für die Regimeoligarchen waschen, verwalten oder helfen es einfach ‚supersauber‘ zu verstecken, etc.

Im Laufe der Proteste hat sich in Wien eine politische Organisation ‚Demokratische Ukraine‘ herausgebildet, die Demos organisierte, offene Briefe schrieb, und bei vielen Diskussionen dabei war. Später wo viele Menschen verletzt wurden, haben wir [gesamte UA Community, nicht nur TUMA] in Wien zig Tausend Euro an Spenden für die medizinische Behandlung gesammelt. Später wurden auch mehr als ein Dutzend Verletzte aus der Ukraine in Wien behandelt. Da muss man einige Aktivisten sehr loben, die Tag und Nacht dafür gearbeitet haben. Allein der Transport von Verletzten war eine riesige Herausforderung.

Am Höhepunkt dieser Protestwelle hat es viele auch da in Österreich emotional mitgerissen. Vor allem als es im Jänner schon die ersten Toten gab und als täglich Menschen entführt und gefoltert wurden. Einige Wochen konnte ich nicht gut schlafen und essen, ich habe dauernd Nachrichten auf Facebook und Twitter verfolgt. Und an den drei Tagen 18. bis 20. Februar, wo 100 Menschen auf der Straße erschossen wurden, hat sich das ganze irgendwie surreal angefühlt. Ich konnte es einfach nicht verdauen, dass so viele Menschen mitten auf der Straße einfach hingerichtet wurden. Es war schwer diese brutale Realität zu akzeptieren. Es sterben noch immer Menschen und das fast täglich, aber mittlerweile hat man sich an solche Schlagzeilen schon gewohnt und jeder will, dass es einfach aufhört.“

TUMA vereinigt und vertritt ukrainische Jugend und Studenten in Österreich.

(Internet: http://www.gotuma.org)