Imst

Suchaktion in Imst nach falschem Notruf: Tiroler ausgeforscht

Symbolbild.
© ZOOM-Tirol

Nach mühsamer kriminalistischer Kleinarbeit konnte die Imster Polizei jetzt einen jungen Mann ausforschen. Generell geht die Zahl von falschen Notrufen aber zurück.

Von Marco Witting

Imst – Warum ruft jemand bei der Leitstelle an, sagt er sei verletzt und liege irgendwo im Wald, obwohl das gar nicht stimmt? Diese Frage stellten sich gestern in Imst wohl nicht nur viele der Einsatzkräfte, die in den Nachtstunden des 13. Oktobers ausrückten, um nach einer verunglückten Person zu suchen. Tags darauf rückten 50 Bergretter noch einmal aus, suchten in steilem, rutschigem Gelände – fanden aber niemanden. Weil niemand zu finden war. Denn wie sich jetzt herausstellte, war nicht nur dieser Notruf von einem 20-jährigen Mann fingiert.

Alles begann mit einem Notruf am 17. Februar 2012. Damals wurde starker Rauch in der Imster Industriezone gemeldet. Tags darauf dasselbe Spiel. Ein Anruf zu einem Brand, den es nicht gab. Am 13. Oktober dann der Notruf, der österreichweit für Schlagzeilen sorgte. Und den die Polizei „nicht auf sich beruhen lassen wollte“, wie Bezirkspolizeikommandant Hubert Juen erklärte. Wohl auch, um den Einsatzkräften, die damals im Oktober „ihre eigene Gesundheit riskierten“, Gewissheit zu geben.

„Kriminalistische Kleinarbeit“ sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen, sagte Juen. Man habe verschiedene Puzzleteile zusammengetragen. Dabei half auch, dass die Polizei damals offensiv an die Medien ging und die Telefonnummer, von der der Notruf im Oktober kam, veröffentlichte. „Es war schnell klar, dass es sich um ein Wertkartenhandy handelt. Die Hinweise aus der Bevölkerung, und davon gab es einige, haben zwar nicht unmittelbar zu dem 20-Jährigen geführt, aber waren ein weiterer Baustein“, erklärte Juen.

Auch ein weiterer fingierter Notruf konnte dem Mann Ende Oktober zugeordnet werden. Doch das war nicht alles. Im Dezember 2013 und Frühjahr 2014 stahl der Mann aus Geldnot kleinere Bargeldbeträge. Anfang April zündete er, wieder in Imst, einen Wohnwagen an.

Das Motiv? Juen: „Hier gibt es kein durchgehendes Motiv.“ Es sei wohl eine Mischung aus Langeweile und dem Ausloten von Grenzen gewesen. Die Diebstähle hätte der 20-Jährige aber aus Geldnot begangen. „Er steht jetzt zu seinen Taten und hat sich geständig gezeigt“, sagte Juen. Zudem versuche der Mann, teilweise den Schaden wiedergutzumachen.

Der Mann wurde wegen Übertretungen gegen das Notzeichengesetz angezeigt.

Den Fahndungserfolg sieht Juen auch als Präventionsarbeit. Es müsse jedem bewusst sein, was mit einem fingierten Anruf ausgelöst wird und welche Folgen das haben kann.

„Vier bis fünf“ fingierte Anrufe gibt es pro Jahr in der Leitstelle Tirol, erklärt Geschäftsführer Martin Eberharter. Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Ein wichtiger Grund dafür: „Auch unterdrückte Handynummern scheinen bei uns auf. Somit kann jeder Anrufer letztlich irgendwie identifiziert werden. Das dürfte sich mittlerweile weitgehend he­rumgesprochen haben“, sagt Eberharter.

Hinzu komme, dass die Disponenten bei der Leitstelle bei einem falschen Alarm eine Notiz im System hinterlegen. Ruft jemand noch einmal unter dieser Nummer an, erscheint diese auf dem Bildschirm. Eine ungute Situation sei ein fingierte Notruf aber trotzdem. „Unsere Disponenten hören im Falle meist schon aus der Schilderung des Notrufs und der Emotion, dass da etwas nicht stimmt. Trotzdem ist jeder Notruf natürlich auch als solcher zu behandeln.“

Dass die Zahl von falschen Meldungen zurückging, führt der Geschäftsführer auch darauf zurück, dass mittlerweile weitgehend bekannt sei, „dass die Polizei solche Delikte auch ernsthaft verfolgt“.

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