„Zukunft der Zeitung“: Frage der Finanzierung „qualitätsvoller Orte“

Wien (APA) - Die Diskutanten waren sich einig: Die „Zukunft der Zeitung“ hängt mit der Zukunft des Journalismus zusammen. Aber wie diese sic...

Wien (APA) - Die Diskutanten waren sich einig: Die „Zukunft der Zeitung“ hängt mit der Zukunft des Journalismus zusammen. Aber wie diese sichergestellt werden soll, darüber gingen die Meinungen von Medienwissenschafter Matthias Karmasin, „Falter“-Herausgeber Armin Thurnher und Ex-“Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker auseinander. Im Rahmen des FFI-Forums sprachen sie Montagabend über mögliche Lösungen.

Wesentlicher Stein des Anstoßes für Fleischhacker war dabei die Frage einer öffentlichen Subventionierung. Zwar sei die „Narration“ der Tageszeitung als Ort des öffentlichen Diskurses nach wie vor weitverbreitet, allerdings aus seiner Sicht quantitativ nicht haltbar. „Das können andere auch.“ Die „medienmorphologische Einzigartigkeit der Tageszeitung“ sei einer der größten Irrtümer, wie er bei der Veranstaltung des Friedrich Funder Institutes festhielt.

Als problematisch empfand der frühere Chefredakteur der „Presse“ außerdem eine mit Förderungen verbundene mögliche Abhängigkeit. „Ich bin der Überzeugung, dass die Medien ihre Rolle nur dann unabhängig spielen können, wenn sie auch wirtschaftlich unabhängig sind.“ Karmasin wiederum will sich eine Welt ohne Qualitätsmedien nicht vorstellen. Er sprach sich für „möglichst viele qualitätsvolle Orte“ für die Orientierung und Entscheidungsfindung der Bevölkerung aus. Folglich müsse man eine ausgeweitete Medienförderung in Betracht ziehen.

Ähnlich argumentierte Thurnher: „Es braucht den professionellen Mittler.“ Zentrale Voraussetzung dafür ist aus seiner Sicht die Redaktion als institutionalisierter und anerkannter Rahmen für qualitätsvollen Journalismus. Und Förderkriterien seien durchaus vorhanden. „Die Schwierigkeit ist aber: Wer entscheidet darüber und unter welchen Bedingungen?“ Dabei dürfe man sich nicht nur auf Tageszeitungen oder Printprodukte beschränken, sondern müsse Medien allgemein berücksichtigen. „Man muss den Übergang miteinbeziehen“, erklärte er angesichts des digitalen Wandels.

Fleischhacker war davon letztlich wenig überzeugt. Zwar seien es „respektable und valide Argumente“, aber: „Was ich nicht für valide halte, sind die gängigen Qualitätskriterien.“ Gestreift wurde auch das Thema Medientransparenzgesetz. Karmasin bezeichnete die Finanzierung der Presse mittels Inserate öffentlicher Stellen - im Vorjahr waren es mehr als 200 Mio. Euro - als „Realkorruption“. Sauer stieß ihm auf, dass Medien davon profitieren würden, die sich nicht einmal dem Ehrenkodex der heimischen Presse unterworfen haben. Letztlich gehe es um Entscheidungen: Entweder man sagt angesichts des unter Druck geratenen Geschäftsmodells „Pech gehabt“, oder schafft andere Rahmenbedingungen, so der Kommunikationswissenschafter.

(S E R V I C E - www.ffi.at)