EU-Wahl - Studie: Parteiprogramme sind schwer verständlich

Wien (APA) - Die Wahlprogramme der Parteien zur Europawahl sind für die Mehrheit der Österreicher nur schwer zu verstehen. Das ist das zentr...

Wien (APA) - Die Wahlprogramme der Parteien zur Europawahl sind für die Mehrheit der Österreicher nur schwer zu verstehen. Das ist das zentrale Ergebnis einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung des H & H Comlab Ulm, der Universität Hohenheim sowie der Mediaclub GmbH, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Die in den Programmen verwendete Wortwahl und Satzstruktur verlangt von den Lesern einen universitären Abschluss oder zumindest Oberstufenniveau, urteilen die Leseforscher. Menschen mit Pflichtschulabschluss können den Programmen der Parteien aus ihrer Sicht in der Regel nicht folgen. Außerdem ist die Sprache im Vergleich zur EU-Wahl 2009 noch komplizierter geworden. Auch im Vergleich zu Deutschland schneiden die österreichischen Parteien schlecht ab.

„Die Wahlprogramme schließen den größeren Teil der Bevölkerung von Information aus. Kampagnen ersetzen zwar die Schlagwörter, nicht aber die Hintergründe“, erklärte Thomas Holzinger vom Mediaclub Wien.

Die Werte für die Verständlichkeit wurden mit dem sogenannten STAD-Verständlichkeitsindex berechnet. Untersucht wurden dabei unter anderem Satzlänge und Anzahl der Fremdwörter und Fachbegriffe.

Die klarste Sprache verwenden laut der Studie Europa Anders und die Grünen. Sie werden von Menschen mit mittlerer Bildung verstanden. Die Programme von ÖVP, SPÖ und FPÖ landeten im Mittelfeld. Sie verlangen von ihren Lesern mindestens Maturaniveau, was weder für die durchschnittlichen Wähler, noch für die durchschnittlichen Parteimitglieder angenommen werden kann. Am kompliziertesten wurden die Programme von NEOS und REKOS eingeschätzt.

Komplexe Programme wirken sich laut Holzinger auch auf die Wahlbeteiligung aus: „Ein Wahlprogramm ist zwar nicht die erste Informationsquelle für die Wähler, aber die einzig authentische. Diejenigen, die es nicht verstehen, gehen dann auch nicht zur Wahl.“