Pensionist wegen Mordes angeklagt: Mann in den Kopf geschossen

Graz (APA) - Weil er im Jänner einen Bekannten durch einen Kopfschuss getötet hat, ist ein Pensionist am Dienstag im Grazer Straflandesgeric...

Graz (APA) - Weil er im Jänner einen Bekannten durch einen Kopfschuss getötet hat, ist ein Pensionist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht vor einem Geschworenensenat gestanden. Die Anklage lautete auf Mord, der Beschuldigte gab an, er habe den laut Gutachter „absolut tödlichen Schuss“ aus nächster Nähe „aus Angst“ abgegeben, weil er sich von dem schwer betrunkenen Mann bedroht fühlte.

„Wenn man Sie so sieht, sind Sie der gemütliche ältere Herr, der Opa von nebenan. Und jetzt haben Sie einen Menschen erschossen“, meinte Richter Erik Nauta zum Angeklagten. Dieser wirkte in seinem dunklen Anzug eher bedächtig, hatte als Altenpfleger gearbeitet und in seiner Zweizimmerwohnung ein friedliches Leben geführt. Dann lernte er zu Beginn 2013 einen Mann kennen, mit dem er über seinen Hund ins Gespräch gekommen war. Der andere - ein Alkoholiker ohne Arbeit - erkannte sehr rasch, dass seinem neuen Bekannten eine Bezugsperson fehlte und er besuchte den älteren Mann regelmäßig. Er und seine Frau gingen mit dem Hund des 61-Jährigen spazieren, und ganz nebenbei bat er den sparsamen Pensionisten immer wieder um Geld.

Als er im Jänner wieder einmal bei seinem Bekannten läutete, wollte ihn dieser erst nicht in die Wohnung lassen. Dann öffnete er doch, und die beiden Männer begannen zu streiten, als der Jüngere schon wieder Geld wollte. Als der Besucher ins Schlafzimmer ging und dort mit dem geladenen Armeerevolver herumfuchtelte, bekam der Pensionist nach eigenen Angaben Angst. Er rang den Betrunkenen zu Boden, ergriff die Waffe, und schoss dem Wehrlosen in den Kopf. „Ich wollte ihn nur schrecken“, meinte er. „Warum schießen Sie dann nicht in die Luft oder in den Kasten?“, fragte der beisitzende Richter Helmut Wlasak. „Die Aufregung“, meinte der Angeklagte.

Nach der Tat rief er selbst bei der Polizei an und gab ganz ruhig an, er habe einen Mann erschossen. „Warum haben Sie die Polizei gerufen?“, fragte Richter Nauta. „Ich hab‘ gewusst, dass ich einen Blödsinn gemacht habe. Soll ich flüchten?“, meinte der Beschuldigte trocken. Der Verteidiger sprach von Totschlag: „Es war eine Situation, wo man in einen psychischen Ausnahmezustand gerät“, so der Anwalt. „Ich habe von Ihnen bisher noch nie gehört, dass es Ihnen leidtut“, meinte der Richter zum Pensionisten. „Es tut mir sehr leid, es war der größte Fehler meines Lebens“, antwortete der Beschuldigte höflich, aber genauso emotionslos wie zuvor.

Ein Urteil wurde für den frühen Nachmittag erwartet.