EU-Wahl - ÖVP sieht Kruzifix gefährdet

Wien (APA) - Die ÖVP hat in der Endphase des EU-Wahlkampfs das Kruzifix zum Wahlkampfthema erkoren. Anlass ist eine Aussage des sozialdemokr...

Wien (APA) - Die ÖVP hat in der Endphase des EU-Wahlkampfs das Kruzifix zum Wahlkampfthema erkoren. Anlass ist eine Aussage des sozialdemokratischen Frontmanns Martin Schulz im TV-Duell vergangene Woche über religiöse Symbole: „Öffentliche Räume müssen neutral bleiben“, so Schulz. Die ÖVP versteht darunter den Plan, Kreuze zu verbieten, und ist empört. Schulz selbst präzisierte zu Wochenanfang.

Schulz hatte bei der in Österreich auf ORF III übertragenen „Elefantenrunde“ am vergangenen Donnerstag festgehalten, dass jeder das „Recht habe, im privaten Raum zu zeigen, was er denkt“. Doch öffentliche Räume müssten „neutral bleiben“. Außerdem erklärte er: „In der europäischen Union gibt es eine Gefahr des konservativen Rückschritts, und das müssen wir bekämpfen.“

In Deutschland, vor allem in Bayern, stürzten sich CDU und CSU auf das Thema. In der Folge stellte Schulz klar: Er sei mitnichten für ein Verbot eingetreten. „Kreuze sind ein Teil unseres Erbes, über das ich mich bei jedem Spaziergang freue“, sagte er am Montag.

Die ÖVP interpretierte seine Aussagen weiterhin als Eintreten für ein Verbot und reagierte am Dienstag mit mehreren Aussendungen unter anderem von Generalsekretär Gernot Blümel und Spitzenkandidat Othmar Karas. „Hände weg vom Kreuz, Herr Schulz!“, wurde letzterer zitiert, er verlangte von SPÖ-Spitzenkandidat Eugen Freund eine „klare Distanzierung von Parteifreund Schulz“. Blümel hielt fest: „Das Kreuz ist ein Zeichen der christlichen Wurzeln unseres Kontinents sowie der Tradition und Werte für ein menschliches Miteinander. Es zeigt unser österreichisches Wertefundament und ist ein Symbol für Toleranz.“ Er will eine „deutliche Distanzierung“ Freunds. Der ÖVP geht es sowohl um das Kreuz-Symbol als auch das Kruzifix.

Und auch die FPÖ, deren Obmann Heinz-Christian Strache schon mit dem demonstrativen öffentlichen Einsatz des Kreuzes für Debatten sorgte, war am Dienstag empört. Spitzenkandidat Harald Vilimsky attestierte Schulz ein „schiefgelagertes politisches Koordinatensystem“.