Wie die Zeit vergeht: Peter Baum erinnert an Geschichte des 21er Haus

Wien (APA) - Das 21er Haus schwelgt in Erinnerungen an den Aufbruch der 1960er Jahre, als der Bau von Karl Schwanzer - damals als 20er Haus ...

Wien (APA) - Das 21er Haus schwelgt in Erinnerungen an den Aufbruch der 1960er Jahre, als der Bau von Karl Schwanzer - damals als 20er Haus - zur ersten Anlaufstelle für moderne Kunst in Wien wurde. „Linz wollte den Pavillon damals nicht“, erinnerte sich Peter Baum am Dienstag anlässlich einer ihm gewidmeten Foto-Schau. Dafür gab es dort dann das Lentos, das der Kunstkritiker als Gründungsdirektor leitete.

Die 36 Schwarz-Weiß-Fotografien im Untergeschoß des 21er Hauses, die Baum dem Belvedere überließ, dokumentieren den Umbruch der 1960er und 1970er Jahre in den Bereichen performativer, raum- und architekturbezogener Kunst. Da sitzt Elfriede Jelinek bei einer Lesung lässig auf einem Hocker, da posiert Arnulf Rainer mit Kriegsbemalung für die „Verbrecherkartei“, da toben sich die Haus-Rucker auf einer riesigen elastischen Matte im Boxring aus.

„Ich war nie ein rasender Reporter“, erklärte Baum, der als Kulturjournalist für zahlreiche Zeitungen und Magazine fotografierte, seinen Zugang, „ich habe immer mit einer gewissen Verzögerung fotografiert.“ Die meisten Schnappschüsse hätte man nicht stellen können, so der 75-Jährige - „da gehört auch immer ein bisschen Glück dazu“. Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des 21er Hauses, wurde angesichts der Bilder nostalgisch: „So schnell vergeht die Zeit.“

Und dennoch wollte die Direktorin die Zeit nicht glorifizieren. Stets höre man, wie sehr das 20er Haus einst geliebt wurde, dabei sei es auch damals schon so gewesen, dass es eben eine kleine Gruppe an Interessierten gegeben habe, die diesen Geist getragen habe. „Die erfolgreichste Ausstellung von (Gründungsdirektor, Anm.) Werner Hofmann war Klee mit 13.000 Besuchern“, relativierte sie die niedrigen Besucherzahlen der Belvedere-Dependance heute.

Mit den Fotografien von Baum bekommen die Räumlichkeiten „ein Momentum“, freute sich Husslein-Arco - auch wenn es sie ein bisschen wehmütig stimmte, dass die abgebildeten Exponate zur Gänze ins mumok wanderten. „Und wir mussten wieder von vorne anfangen.“ Und auch Baum konnte sich einen Seitenhieb auf die Museumspolitik nicht verkneifen: „Österreich hat es nie verstanden, seine Museen zur rechten Zeit mit den richtigen Mitteln auszustatten.“

Die Foto-Schau ist von im Belvedere ab morgen, Mittwoch, bis 19. Oktober zu sehen. Kuratiert wurde die Bildstrecke von Alfred Weidinger. Parallel zur Ausstellung erscheint auch Baums Buch „en face“. Peter Baum war von 1962 bis 1973 als Kulturjournalist in Wien tätig und organisierte Ausstellungen für mehrere Galerien, bevor er 1974 im Alter von 34 Jahren die Leitung der Neuen Galerie der Stadt Linz übernahm und 1998 den Bau des Lentos mittrug. 2004 ging er in Ruhestand.

(S E R V I C E - „Peter Baum - Fotografien: Das 20er Haus im Aufbruch der 1960er Jahre“, 21. Mai bis 19. Oktober, 36 Exponate im Untergeschoß des 21er Haus, Schweizergarten, Arsenalstraße 1, 1030 Wien, www.21erhaus.at; Peter Baum: „en face. Künstler und Ambiente. Photographien aus 60 Jahren“, Böhlau Verlag, 352 S., 39 Euro)

(B I L D A V I S O - Bilder stehen unter www.21erhaus.at/presse zum Download zur Verfügung.)