Volleyball: Nach 35 Jahren ist für Kleinmann bei hotVolleys Schluss

Wien (APA) - Im österreichischen Volleyball geht mit Saisonende eine Ära zu Ende, Peter Kleinmann zieht sich per 30. Juni vom Rekordmeister ...

Wien (APA) - Im österreichischen Volleyball geht mit Saisonende eine Ära zu Ende, Peter Kleinmann zieht sich per 30. Juni vom Rekordmeister hotVolleys zurück. 18 Meistertitel, 14 Cupsiege, 3 Mitteleuropa-Titel und eine Final-Four-Teilnahme in der Champions League hat der Wiener Club bisher errungen, alle unter Kleinmanns Führung als Manager. Nun zieht er primär wegen der hotVolleys-Finanzlage die Notbremse.

„Der Verein hat Außenstände von 611.000 Euro, ich habe dem Verein von meinem persönlichen Vermögen 250.000 Euro gegeben. Diesen Stress will ich mir nicht mehr antun“, sagte Kleinmann. „Ich habe meinen Fokus verändert. Ich kann auch nicht mehr bei den hotVolleys das bewegen, was ich früher bewegt habe. Es gab Saisonen, da habe ich über Sponsoren fünf Millionen Euro pro Saison aufgestellt.“ Seit rund drei Jahren fehlt es aber an einem Hauptsponsor.

Dass derzeit in der hotVolleys-Kasse ein Minus von klar mehr als einer halben Million Euro herrscht, läge aber nicht primär an schlechtem Wirtschaften. Etliche vertraglich zugesagte Sponsorverträge seien nicht eingetroffen, darunter ein großer Posten von 450.000 Euro. „Ich bin aber sicher, dass das Geld noch kommt“, sagte Kleinmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der hotVolleys-Spielstätte Budocenter. „Dann könnten wir auch für die AVL nennen.“

Aktuell ist die Teilnahme des Dritten der abgelaufenen Meisterschaft an der Austrian Volley-League 2014/15 aber in Schwebe. Wohin der Weg in eine untere Liga gehen könnte, ist noch offen. „Da würde sich für die Spieler auch die Frage der Motivation stellen“, erläuterte Kleinmann. Kein Thema mehr wegen der finanziellen Außenstände ist die Europacup-Teilnahme in der nächsten Saison, der Platz bleibt definitiv also für einen anderen ÖVV-Verein frei.

Kleinmann hat 35 seiner 52 Volleyball-Jahre bei den hotVolleys verbracht, auch wenn der Verein früher unter anderen Namen geführt wurde. Seit 1989 bzw. seit 25 Jahren war der heute 66-Jährige als Manager an vorderster Front tätig. Interimistisch hat er in dieser Zeit auch mal das Traineramt übernommen. Dass jetzt Schluss ist, hat auch mit der persönlichen Enttäuschung über einen Mitarbeiter zu tun, worüber Kleinmann nicht näher sprechen wollte.

Aber natürlich liegen Österreichs „Mr. Volleyball“ die hotVolleys auch weiter am Herzen. „Mir ist sehr wichtig, dass die Jugendarbeit fortgesetzt wird. Als ich hier angefangen habe, hat es fünf Nachwuchsmannschaften gegeben, jetzt gibt es 50.“ Ob diese Teams ab Juli weiter im Budocenter trainieren können, ist offen, denn mit Ende Juni wird die Halle an die Stadt Wien zurückgegeben - auch wenn der Pachtvertrag noch zwei weiter Jahre gelaufen wäre.

Kleinmann sieht allerdings niemand, der die Qualität seines Managements der Halle weiterführen könnte. Bezüglich der Führung der hotVolleys werden Mitte Juni in einer Generalversammlung die Weichen gestellt. Charlotte Schützenhöfer und Nina Sawatzki sind für Kleinmann zwei Personen, auf die er sich diesbezüglich verlassen könne. „Natürlich würde ich auch weiterhin mit meinem Rat bereitstehen, wenn er gefragt ist.“

Gerüchte, wonach der vorjährige Basketball-Meister BC Vienna mit nächster Saison ins Budocenter einziehen könnte, wollte und konnte Kleinmann nicht kommentieren. „Es ist dann Sache der Stadt Wien, was sie mit der Halle macht.“ Die Hallen für den hotVolleys-Trainingsbetrieb gebe es aber auf jeden Fall, wie u.a. die Sport-&-Fun-Halle in Wien Donaustadt. Und für die Matches könne das Budocenter auch angemietet werden.

Kleinmann wird sich nun auf seine Funktionen in Europas Volleyballverband (CEV), als Präsident von Österreichs Verband (ÖVV) und als Vorstandsmitglied des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) sowie seinen Kampf um die tägliche Schul-Turnstunde konzentrieren. Nach Olympia 2016 in Rio wird er sich aber auch da allmählich zurückziehen. „Mit 70 Jahren brauche ich dann keinem Jungen mehr etwas erklären.“

Punktgenau zur Vermeldung seines Rückzugs von den hotVolleys platzte übrigens der Telefonanruf von Kleinmanns Sohns Daniel, wonach die Geburt des zweiten Enkels unmittelbar bevorstünde. Auf dieser Ebene wird also künftig ebenfalls dafür gesorgt sein, dass Kleinmann auch ohne Aufgaben bei den hotVolleys nicht langweilig wird.