Wiener Band M185 begegnet „Erblast“ Indierock mit breitem Spektrum

Wien (APA) - „Everything Is Up“ heißt der neue Release der Wiener Band M185. Der Nachfolger des 2011er-Albums steht erneut für indielastigen...

Wien (APA) - „Everything Is Up“ heißt der neue Release der Wiener Band M185. Der Nachfolger des 2011er-Albums steht erneut für indielastigen Gitarrenrock im klassischen Bandformat. „Man kann nicht so tun, als ob wir die erste Band wären, die mit diesen Instrumenten arbeitet - man muss mit der Erblast leben“, so Gitarrist Heinz Wolf im Gespräch mit der APA zur Problematik, ein jahrzehntealtes Genre zu bedienen.

Das große Geld haben M185, die morgen, Mittwoch (21.5.), im Flex zur Live-Präsentation laden - mit ihrer Musik dabei nie im Sinn gehabt. „Fünf Leute, die Gitarrenmusik machen? Das ist nichts, was wirtschaftlich funktioniert“, ist sich das Quintett sicher. Daher steht man gegenüber aktuellen Reizthemen, wie Amadeus oder dem Österreicher-Anteil auf Ö3, eher emotionslos gegenüber: „Wir sind nicht wirtschaftlich orientiert. Wir machen unser Ding, von dem wir genau wissen, dass es bestenfalls am Rande der Verwertbarkeit schrammt.“

„Wenn Ö3 uns spielen würde, müsste man die Verantwortlichen einsperren. Denn das ergibt einfach keinen Sinn für ein Formatradio und ist auch nicht dafür gedacht“, sieht Wolf für seine Band hier keinen Platz. Doch das gilt nicht für andere Formationen: „Ich finde schon, dass es in Österreich Bands gibt, die nur auf FM4 laufen, aber in Ö3 gespielt werden könnten - und das verstehe ich nicht“, nannte Kollege und Sänger Wolfram Leitner den für ihn vorhandenen Änderungsbedarf.

Wichtig ist den Amadeus-Award-Gewinnern ein bewusster Umgang mit der Rock-Historie. „Eine Platte, die vor 20 Jahren genauso hätte passieren können - das soll bei uns nicht so sein.“ Das passiert beim dritten Album „Everything Is Up“ dann auch nicht. Statt Genre-Treue zu zelebrieren, verfolgen M185 den Ansatz, möglichst heterogen zu klingen. Nimmt man etwa den neuen Song „L.O.V.E.“ als Beispiel, so mag der Beat zwar an die Kraftwerk-Abspaltung „Neu!“ aus den 70er-Jahren erinnern, doch alles andere wirkt eigenständig. Da unterscheidet man sich doch von einigen anderen Formationen, die den sprichwörtlichen alten Wein aus neuen Schläuchen kredenzen.

„Es geht nicht darum, etwas ähnlich zu machen, aber dass man nach Intensitäten oder Grooves sucht ist Teil der Arbeit“, so Wolf. Wenn man sich bei einem Gitarrenriff dann denkt, dass es wie von Dinosaur Jr. klingt, „dann schmeißt man es weg“. Stattdessen sucht M185 - auf „Everything Is Up“ noch verstärkt - die Vielseitigkeit. Diese unterschiedlichen Ansätze sorgen auf dem neuen Album für ein breites Spektrum an Rocksongs, die als Gemeinsamkeit einen druckvollen, eingängigen Drive ihr Eigen nennen. „Gerade wenn man im klassischen Format arbeitet, muss man Brüche machen“, verriet Wolf eines der Geheimnisse dahinter.

Nicht immer wird der eigene Anspruch nach Authentizität erkannt, zu sehr scheint man der Verlockung zu erliegen, Referenzbands zum Vergleich heranzuziehen: „Wir haben uns jahrelang fast darüber geärgert, dass von den Medien Sonic Youth als Referenz genannt wurde. Wir schätzen die Band, aber musikalisch verstehen wir es nicht, wie man beides vergleichen kann. Das Schlimmste war aber unlängst Kings of Leon - da wussten wir nicht mehr, was wir dazu sagen sollen“, lauteten die eigenen Erfahrungen mit der „Referenzhölle“.

(Das Gespräch führte Andreas Westphal/APA)

(S E R V I C E - „Everything Is Up“ erscheint am 23. Mai auf Siluh Records. http://www.m185.org/)