Blindenverband betrogen: Ex-Funktionär in Wien vor Gericht

Wien (APA) - Ein ehemaliger Funktionär des Blinden- und Sehbehindertenverbands (BSVÖ) ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen Unt...

Wien (APA) - Ein ehemaliger Funktionär des Blinden- und Sehbehindertenverbands (BSVÖ) ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen Untreue und schweren gewerbsmäßigen Betrugs zur Verantwortung gezogen worden.

Der 59-Jährige hatte sich zwischen 2005 und 2009 Fördergelder und Spenden zugeeignet, indem er Sparbücher des Verbands „abräumte“ bzw. fingierte und gefälschte Rechnungen herstellte und damit Überweisungen auf sein Konto veranlasste. Dem BSVÖ entstand dabei ein Schaden von rund 100.000 Euro, den der Angeklagte mittlerweile zum Teil gut gemacht hat. Daneben schädigte er allerdings auch den Lionsclub Wien-Landstraße, wo er ebenfalls tätig war, indem er 37.000 Euro, die einem Kinderheim zukommen hätten sollen, für sich verwendete.

Der 59-Jährige legte vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Andrea Philipp) ein umfassendes Geständnis ab. Wie sein Verteidiger Elmar Kresbach betonte, habe eine „persönliche Tragödie“ den bisher unbescholtenen Mann zum Straftäter werden lassen. Dieser habe nach einer Ausbildung in einer Eliteschule für Tourismus in der Schweiz erstklassige Hotels gemanagt, ehe bei ihm eine Erbkrankheit ausgebrochen sei. „Das hat eine Netzhautablösung zur Folge gehabt. Er hat gemerkt, ihm geht langsam das Licht aus“, sagte Kresbach.

Zusätzlich zum Job-Verlust habe sich seine Ehefrau von ihm abgewandt. Diese sei mit der Erkrankung des Mannes nicht klar gekommen, berichtete Kresbach. Beruflich sei sein Mandant schließlich beim BSVÖ untergekommen, wo er als Projektleiter fungierte.

„Ich habe die Anklage vollinhaltlich zur Kenntnis genommen. Ich habe mich unrechtmäßig bereichert“, gab der mittlerweile zur Gänze erblindete Angeklagte in seiner Einvernahme unumwunden zu. Er habe versucht, „mit einer Großzügigkeit, die ich mir nicht leisten konnte, die Zuneigung meiner Frau zurückzukaufen“. Weil seine eigenen finanziellen Reserven dazu nicht ausreichten, habe er sich fremder Mittel bedient, um dieser generöse Geschenke machen und gemeinsam mit ihr auf Reisen gehen zu können.

Die Frau ließ sich trotzdem scheiden. 2009 flogen die Manipulationen auf. Der Mann hatte unter anderem Gelder abgezweigt, die aus dem Erlös einer Versteigerung einer Wanderung mit Bundespräsident Heinz Fischer stammten, die auf der Internet-Plattform Ebay abgewickelt worden war.

Mit dem Urteil war vor 15.00 Uhr zu rechnen.