Abschaffung von Mindesthaltbarkeit - Billa-Chefs nicht begeistert

Wien/Wiener Neudorf (APA) - Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung wollen mehrere EU-Staaten, darunter Österreich, das Mindesthaltbark...

Wien/Wiener Neudorf (APA) - Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung wollen mehrere EU-Staaten, darunter Österreich, das Mindesthaltbarkeitsdatum für lang haltbare Nahrungsmittel wie Nudeln oder Reis abschaffen. Während die Idee bei heimischen Umweltschützern auf Zuspruch stößt, ist der Lebensmittelhändler Billa skeptisch. „Das sehen wir kritisch“, sagte Vorstand Josef Siess am Dienstag.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei eine „Orientierung für den Konsumenten“, meinte Billa-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner bei einer Pressekonferenz. Siess: „Im Vordergrund steht die Gesundheit des Konsumenten“, und bei einer fünf Jahre alten Teigware wisse man nicht, ob diese wirklich noch genießbar sei.

Aber: „In die Diskussion um die Ausdehnung des Mindesthaltbarkeitsdatum steigen wir gern ein“, sagte Siess.

In der EU werden im Jahr 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen - auch Waren, die eigentlich noch gut sind. Schweden und die Niederlande haben daher vorgeschlagen, das Mindesthaltbarkeitsdatum für Nudeln oder Reis abzuschaffen. Am Montag haben sich die Landwirtschaftsminister der Union mit dem Thema befasst. Österreich unterstützt den Vorschlag.

Die Rewe-Tochter Billa ist freilich, wie seine Konkurrenten auch, bestrebt, möglichst wenig frische Ware wegzuwerfen. Vergangenes Jahr habe man Lebensmittel im Wert von 9 Mio. Euro an Obdachlosen-Tafeln und das Rote Kreuz gespendet. Warum „nur“ 600 der über 1.000 Filialen mitmachen? „Nicht in jedem Ort gibt es eine Tafel“, so Hornsteiner.

Wieviel Essen Billa im Vorjahr weggeschmissen hat, sagten die Chefs nicht. Es sei aber jedenfalls „mehr“ als das, was gespendet wurde.

Zum umstrittenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA hielt der Billa-Vorstand fest: „Wir wünschen uns, dass es keine Auswirkungen auf unser Sortiment hat. Wir wollen keine genmanipulierten Lebensmittel.“ Rewe-International-Konzernchef Frank Hensel hat vor zwei Wochen mit seiner Kritik am Freihandelsabkommen (TTIP) für Aufsehen gesorgt. Hensel schrieb in einem offenen Brief an österreichische EU-Abgeordnete, dass er sich um die Lebensmittelqualität in Österreich sorgt. „Wir haben breites Feedback bekommen“, sagte heute Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler. Man wolle „in absehbarer Zeit“ einen runden Tisch organisieren, zu dem auch Mitbewerber geladen seien. Rewe sei nicht „per se“ gegen das Freihandelsabkommen. „Man muss aber darauf achten, dass die Lebensmittelqualität in Österreich erhalten bleibt.“

~ WEB http://www.billa.at ~ APA379 2014-05-20/13:54