Airbus verschärft zum ILA-Auftakt den Ton gegenüber Boeing

Schönefeld (APA/dpa) - Zum Auftakt der Luftfahrtmesse ILA flammt der Subventionsstreit zwischen den weltweit führenden Flugzeugbauern Airbus...

Schönefeld (APA/dpa) - Zum Auftakt der Luftfahrtmesse ILA flammt der Subventionsstreit zwischen den weltweit führenden Flugzeugbauern Airbus und Boeing wieder auf. Der europäische Flugzeugbauer warf US-Konkurrent Boeing vor, vom US-Bundesstaat Washington illegale Wettbewerbsvorteile durch Beihilfen und Steuererleichterungen über 8,7 Mrd. Dollar (6,3 Mrd. Euro) ergattert zu haben.

„Dies ist kein fairer Wettbewerb und hat eine starke Reaktion Europas verdient“, sagte Produktionschef Günter Butschek am Dienstag. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging bei der Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) nicht auf den Konflikt ein. Allgemein sicherte sie der Branche aber ihre Unterstützung zu.

„Die Luft- und Raumfahrt nimmt eine strategische Schlüsselrolle (...) für unseren ganzen Wirtschaftsstandort ein“, sagte Merkel auf dem Messegelände am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld bei Berlin. Deshalb werde die Berliner Regierung dieser Industrie ein besonderes Augenmerk als High-Tech-Branche widmen.

15 Prozent ihres Gesamtumsatzes habe die Branche in Deutschland in Forschung und Entwicklung investiert. Die Zahl der Beschäftigten sei 2013 um 4,8 Prozent auf 105.000 gestiegen, der Umsatz habe um 7,8 Prozent auf 30,8 Mrd. Euro zugelegt.

Zu dem auf der Messe präsentierten neuen Airbus-Langstreckenflieger A350 sagte Merkel, es bleibe zu wünschen, dass die erste Auslieferung wie geplant in diesem Jahr erfolgen könne: „Dieses Flugzeug ist Ergebnis erfolgreicher europäischer Kooperation.“

Am Dienstag wurden in Schönefeld die Minister aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien erwartet. Das sind in Europa die Länder mit großen Fertigungsanteilen an den Airbus-Flugzeugen.

Im Subventionsstreit hatte Airbus schon am Vorabend den Ton verschärft. Boeings Argumentation, die Vergünstigungen könne jedes Unternehmen erhalten, das sich dort ansiedele - auch Airbus-Zulieferer - sei „bullshit“ (Schwachsinn), sagte Airbus-Chef Fabrice Bregier. Durch die Beihilfen könne Boeing sein neues Flugzeug 777x praktisch kostenlos entwickeln.

Der Streit zwischen den Flugzeugbaugiganten tobt seit rund einem Jahrzehnt. Boeing beschuldigt dabei Airbus, illegale Beihilfen von den Regierungen der Länder mit Airbus-Standorten zu erhalten. Airbus verweist darauf, dass es die Unterstützung für die Entwicklung seiner Flugzeuge regelmäßig zurückzahle.

Airbus warte für den Bau des A350 bisher vergeblich auf eine Bürgschaft aus Berlin von 600 Mio. Euro, sagte Bregier. Andere Partner wie Frankreich hätten ihren Beitrag geleistet.

Wegen der Ukraine-Krise rief der europäische Hersteller einen Arbeitsgruppe ins Leben, die den Titan-Nachschub sichern soll. „Wir hängen stark von Titan ab, das wir von russischen Zulieferern bekommen“, sagte Butschek. Noch gebe es keine Einschränkungen. Man sei aber weltweit mit einer Reihe von Zulieferern im Gespräch, um russische Lieferungen notfalls zu ersetzen. Flugzeugbauer setzen das leichte und feste Metall ein, wo große Belastungen aufgefangen werden müssen, etwa bei Triebwerksaufhängungen und Fahrwerken.

Die europäische Weltraumagentur Esa bestellte in Schönefeld beim Hersteller Airbus Defence and Space vier Wettersatelliten für 1,2 Mrd. Euro. Der erste komme 2021 zum Einsatz, hieß es.