Flut-Katastrophe

Einsatz unter „höchster Lebensgefahr“ für Tiroler Retter am Balkan

© REUTERS/Marko Djurica

Acht Tiroler Wasserretter werden nach ihrem Hochwasser-Hilfseinsatz in Bosnien und Serbien von einem neuen Team abgelöst. Laut Sprecher Konrad Kirchebner ist die körperliche und psychische Belastung für die Retter enorm.

Innsbruck/Sarajevo/Belgrad – Der Regen hat nachgelassen, aber die Situation am Balkan ist „bei weitem nicht unter Kontrolle“, schilderte der Pressesprecher der Tiroler Wasserrettung, Konrad Kirchebner, am Dienstag gegenüber TT Online. Vor allem entlang des Save-Flusses in der Grenzregion zwischen Bosnien, Serbien und Kroatien sei die Lage weiter „katastrophal“ und verschlimmere sich teilweise noch.

„Überall schwimmen Kadaver, Verwesungsgeruch liegt in der Luft“, sagte Kirchebner. „Dazu muss man auf Landminen aufpassen, die von den Fluten mitgerissen wurden.“ Acht Tiroler Wasserretter sind letzten Freitag in den Westbalkan aufgebrochen. Nach dutzenden Rettungsaktionen kehren sie nun zurück und werden ebenso wie ihre 42 Kollegen aus den anderen Bundesländern von neuen Teams abgelöst. Vier Tiroler werden dann zumindest bis Sonntag versuchen, weitere Menschen aus den Fluten zu retten. Mit Michael Stock wird ein Tiroler die Einsatzleitung bei den österreichischen Wasserrettern übernehmen.

Überall schwimmen Kadaver, Verwesungsgeruch liegt in der Luft. Dazu muss man auf Landminen aufpassen, die von den Fluten mitgerissen wurden.
Konrad Kirchebner

„Sie haben unter Lebensgefahr gearbeitet und sind völlig fertig“, so Kirchebner. „Weil ein Damm gebrochen ist, mussten sie sich gestern sogar selbst evakuieren.“ Nicht nur die psychische und körperliche Belastung ist massiv, die Einsatzkräfte kämpfen auch mit dem Materialverschleiß. „Das Boot der Kufsteiner Retter ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden“, erklärte Kirchebner. Zudem müsse völlig frisches Material mitgenommen werden. „Alle Vorräte und Neoprenanzüge sind mittlerweile unbrauchbar, auch aufgrund des Verwesungsgeruchs.“

Mehr als 40 Tote und Milliardenschäden

Die offizielle Zahl der Todesopfer durch die Überschwemmungen in Serbien ist mittlerweile auf 20 gestiegen, in Bosnien kamen mindestens 24 Menschen ums Leben. Aus Kroatien wurden zwei Todesopfer vermeldet. Viele weitere Opfer wurden noch nicht bestätigt.

Am schwersten betroffen war die Kleinstadt Obrenovac, südwestlich von Belgrad. Dort wurden bis Dienstagfrüh 13 Todesopfer gezählt. Mehr als eine Million Menschen sind alleine in Bosnien ohne Trinkwasser-Versorgung.

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In Belgrad und anderen serbischen Städten entlang des Flusses Save wurde eine weitere Flutwelle erwartet, Einsatzkräfte arbeiteten mit Hochdruck daran, die Uferbefestigungen zu verstärken.

Ausgelöst worden waren die Überschwemmungen von heftigem Regen: In den drei Balkan-Ländern hatte es innerhalb von drei Tagen so viel wie sonst im gesamten Monat Mai geregnet.

Der Sachschaden muss sowohl in Serbien als auch in Bosnien noch genau beziffert werden. Ersten Schätzungen zufolge dürfte er jedoch eine Milliarde Euro übersteigen. Die österreichische Bundesregierung beschloss, Bosnien-Herzegowina und Serbien mit einer Million Euro zu helfen.

Die österreichische Bundesregierung beschloss am Dienstag im Ministerrat, Bosnien-Herzegowina und Serbien mit einer Million Euro zu helfen. Die Mittel stammen aus dem Auslands-Katastrophenfonds. Sie sollen österreichischen NGOs zur Verfügung gestellt werden. (siha, APA)

Spenden für die Flutopfer am Balkan

Adra Österreich, IBAN: AT37 1100 0086 1666 6700, SWIFT/BIC: BKAUATWW, Kennwort „Bosnien/Serbien“

Arbeiter Samariter Bund, Bank Austria, IBAN: AT97.1200.0006.5412.2001, BIC: BKAUATWW

Caritas, PSK, IBAN: AT92.6000.0000.0770.0004, BIC: OPSKATWW, Kennwort „Hochwasserhilfe Südosteuropa“

Hilfswerk Austria International, BAWAG P.S.K., IBAN: AT71.6000.0000.9000.1002, BIC: OPSKATWW, Kennwort „Hochwasser Bosnien“

Diakonie, Erste Bank, IBAN: AT85.2011.1287.1196.6333, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort „Fluthilfe“

Malteser Hospitaldienst, PSK, IBAN: AT43.6000.0000.0100.0999, BIC: OPSKATWW, Kennwort „Hochwasserhilfe Südosteuropa“

Rotes Kreuz, Erste Bank, IBAN: AT57.2011.1400.1440.0144, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort „Flut in Südosteuropa“

Volkshilfe, PSK, IBAN: AT77.6000.0000.0174.0400, BIC: OPSKATWW, Kennwort „Hochwasser am Balkan“

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