Ski Alpin

Anna Fenninger: „Olympia hat mich nicht verändert“

Im Südwind aus dem Wipptal und Aufwind vor der Bergisel-Schanze: Olympiasiegerin Anna Fenninger posierte am Dienstag vor der Innsbrucker Kulisse.
© zeitungsfoto.at

Anna Fenninger hat ihre Ski-Karriere um Olympia-Gold und -Silber sowie Gesamtweltcup gewichtig erweitert. Das Leben der 24-jährigen Salzburgerin hat sich hingegen nur leicht verändert.

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Gestatten, Anna Fenninger. Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Gesamt-Weltcupsiegerin. Wenn ein Helm ihr Gesicht verdeckt, sie von Hals bis Fuß im Rennanzug steckt, braucht sich die 24-Jährige für gewöhnlich nicht vorzustellen. Jetzt, im Frühsommer, leicht gebräunt, mit blitzend weißen Zähnen und offen getragenen dunklen Haaren, so ganz ohne typische Berufskleidung eben, geht die Salzburgerin als Gast in Innsbruck schon mal als Ex-Blondine von nebenan durch. Für wenige Stunden zumindest. Gestern Abend warteten im Metropolkino 1500 Kinder auf Anna Fenninger: Sie schüttelte bei der Siegerehrung eines Raiffeisen-Malwettbewerbs Hände. Seitenwechsel sozusagen – zurück in den Job, ausnahmsweise vor dem Podest.

Vor rund drei Monaten stand die gebürtige Halleinerin noch selbst ganz oben, das Olympia-Gold baumelte vor der Brust, die Hymne dröhnte. „Das war der Moment, von dem ich als Kind geträumt habe“, sagt die achtfache Weltcupsiegerin leicht gerührt von einem Gefühl, das so was wie süchtig mache. Das sei ihre Motivation für die Zukunft, für die WM 2015 in Vail. Es gebe noch genug Ziele, genug Gold zu holen.

Dabei fühlt sich Fenninger nicht anders als Olympiasiegerin: „Man ist ja noch die Gleiche wie vorher.“ Zumal Gold und Silber aus Sotschi sowie die Kugel für den Gesamtweltcup zwar einen Platz hätten, aber noch keinen endgültigen. Mit Freund Manuel Veith, einem ehemaligen Snowboarder, richtet sie gerade ein gemeinsames Heim ein. Ein Umbau und jede Menge Arbeit warten. Nicht die einzigen Gedanken, die sie im Surfurlaub auf Bali verfolgten.

Nach drei Tagen Schlaf brummte es im Kopf immer noch. „Es war anfangs schwer, auf andere Gedanken zu kommen. Am Ende wollte ich noch länger bleiben“, grinst Fenninger in Surfshorts und mit Baseball-Kapperl. Wie sie den Kopf frei bekam? Logisch: mit Sport.

Das Training hat längst wieder begonnen, selbst wenn sie das Gefühl beschleicht, kaum Zeit für sich gehabt zu haben. Die letzten Tage radelte Fenninger bereits rund 450 Kilometer auf Zypern mit dem Speed-Team. Anna Fenninger mag es, mit anderen zu trainieren. Ihre Rolle im Team sei dieselbe geblieben und im Radfahren zähle sie auch nicht zu den Allerbesten.

„Wir haben eigentlich keine Hierarchie. Jeder konzentriert sich auf sich“, sagt die vierfache Junioren-Weltmeisterin, die seit sieben Jahren auch mit dem Kärntner Meinhard Tatschl, in den 90er-Jahren dreifacher Paralympicssieger, trainiert. Einziger Unterschied: „Ich bin jetzt in einer Position, in der ich gefragt werde, ob das für mich auch passt“, spricht Fenninger dann doch von Veränderungen zum Sommer vor drei Jahren, jenem vor ihrem ersten Weltcupsieg.

Verändert hat sich auch ihr Umgang mit den Fans, über denen sie am liebsten schwebt. Genauso wie sie es bei den Siegerehrungen per Seilrutsche über den Hauptplatz von Lienz schon zwei Mal durfte. „Das ist wunderschön. Besser, als sich durch die Massen zu zwängen“, beschreibt Fenninger. Sie wolle ihre Siege gerne mit allen teilen, hätte aber immer wieder das Gefühl gehabt, etwas von sich hergeben zu müssen.

Der Hype um ihre Person sei groß, den um Conchita Wurst verfolgte sie aus kritischer Distanz: „Cool, was sie geschafft hat. Aber Österreich schaut toleranter aus, als es ist.“

Fenninger lernt noch mehr, Nein zu sagen. Manager Klaus Kärcher hilft und wählt in den kommenden vier Wochen einige wenige Termine aus, denn die Nachfrage ist weiter gestiegen. Auch außerhalb von Europa, wie Kärcher bestätigt. Im März hätte ihr Werbewert für die USA 60 Millionen Euro betragen. Zahlen, die an jene im Fußball erinnern, allerdings ebenso weit entfernt sind wie der Bekanntheitsgrad einer Skifahrerin. „Einige Fußballer sind ja Hollywood-Stars“, sagt die passionierte Motocross-Fahrerin, die bei der Fußball-WM für niemanden schwärmt. Vielmehr will sie wissen, wie es den Sportlern mit Fans und Medien geht. „Weil mich das auch betrifft“, sagt sie, nimmt ihre Kappe und geht – (un-)erkannt als Olympiasiegerin.

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