Versicherungen fordern Pflichtversicherung für Naturkatastrophen

Wien (APA) - Die österreichische Versicherungswirtschaft erneuert angesichts des aktuellen Hochwassers die Forderung nach einer Pflichtversi...

Wien (APA) - Die österreichische Versicherungswirtschaft erneuert angesichts des aktuellen Hochwassers die Forderung nach einer Pflichtversicherung für Naturkatastrophen. Damit wäre ein Rechtsanspruch auf Entschädigung gegeben, gleichzeitig würde die öffentliche Hand entlastet, so die Versicherer. Eine solche Versicherung wäre „leistbar“ und könnte etwa für ein Eigenheim bei 5 Euro/Monat liegen.

Mit Schadenssummen bezüglich des aktuellen Hochwassers für Österreich halten sich die Unternehmen derzeit großteils noch zurück, wie APA-Anfragen bei den großen Versicherungen Generali, Wiener Städtische, UNIQA und Allianz ergaben. Die Generali-Versicherung nannte heute auf APA-Anfrage eine erste Schätzung im unteren einstelligen Millionenbereich. Schadensmeldungen gingen aber schon laufend ein, heißt es aus den Unternehmen.

Die dramatischen Ereignisse der letzten Tage hätten die Dringlichkeit einer Versicherungslösung für Naturgefahren erneut drastisch aufgezeigt, wenngleich derzeit das Schadensausmaß noch nicht absehbar sei, heißt es in einer Presseaussendung des Versicherungsverbandes (VVO) von Montagabend. Eine solche Naturgefahren-Versicherung würde sich auf „finanziell leistbarem Niveau bewegen“.

Die Branche habe mit dem Finanzministerium sowie dem Justiz- und Umweltministerium einen Lösungsvorschlag für die Deckung von Naturkatastrophenschäden wie Hochwasser, Vermurung, Sturm, Lawinen und Erdbeben ausgearbeitet.

Zur Umsetzung bedürfe es allerdings noch weiterer politischer Schritte, so Günter Geyer, VVO-Präsident und Vorstandsvorsitzender des Vienna-Insurance-Mehrheitseigentümers Wiener Städtische Wechselseitiger Versicherungsverein. „Die österreichische Versicherungswirtschaft steht für diesbezügliche Gespräche mit den entsprechenden politischen Entscheidungsträgern jederzeit zur Verfügung und ist hierfür entsprechend bestens vorbereitet“, so Geyer laut Pressemitteilung.

Andocken könnte eine solche Versicherung an die Feuerversicherung, hatte es bei der Verbandspressekonferenz im Februar geheißen. Beim Abschluss einer Feuerversicherung soll dem Vorschlag der Assekuranz zufolge automatisch verpflichtend zusätzlich eine Versicherung gegen Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Erdbeben dazukommen. VAV-Generaldirektor Norbert Griesmayr verwies heute in einer Pressemitteilung auf Berechnungen, nach denen eine Pflichtversicherung für Eigenheime etwa 60 Euro jährlich ausmachen würde. Mietwohnungen wären für 1 bis 2 Euro monatlich gegen Katastrophenschäden abgesichert.

Die öffentliche Hand trage bis heute durch sehr hohe Beiträge über den Katastrophenfonds zur Schadenbewältigung bei, dieser stoße mittlerweile aber an seine Grenzen, heißt es in der aktuellen VVO-Mitteilung. Hingewiesen wird auch auf funktionierende Lösungen in zahlreichen anderen europäischen Ländern. So hätten etwa Spanien, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Belgien oder auch die Schweiz ein Katastrophenversicherungs-Modell erfolgreich eingeführt.