Moskau und Teheran schielen wirtschaftlich nach China

Shanghai/Moskau/Teheran (APA) - Eigentlich ist der Gipfel für Zusammenarbeit und Vertrauensbildung in Asien (CICA) eine Zusammenkunft der as...

Shanghai/Moskau/Teheran (APA) - Eigentlich ist der Gipfel für Zusammenarbeit und Vertrauensbildung in Asien (CICA) eine Zusammenkunft der asiatischen Länder, um die Sicherheit und die Stabilität in der Region zu erhöhen, doch angesichts der Ukraine-Krise und dem Atomstreit mit dem Iran treten bei der diesjährigen Versammlung vor allem zwei Staaten in den Mittelpunkt: Russland und der Iran.

Beide schielen in Zeiten, wo die Europäer die Sanktionskeule schwingen - bei den Russen sind es noch Drohungen, das EU-Öl-und Gasembargo spüren die Perser bereits sehr schmerzhaft - rücken die beiden asiatischen Länder noch enger an Peking heran und hoffen am Rande des Gipfels auf neue bilaterale Milliardengeschäfte im Energie-, Industrie- und Güterbereich.

Russlands Präsident Wladimir Putin will seinen Staatsbesuch mit dem Abschluss ebendieser 43 Verträge krönen. Im Fokus steht ein Gasvertrag, der laut Angaben von russischen Diplomaten bereits „unmittelbar vor dem Abschluss steht“. Die Nachricht dahinter ist klar: Es gibt für Russland auch andere attraktive Geschäftspartner außer Europa.

Heimlicher Star der Konferenz ist aber nicht nur der russische Staatschef, sondern auch der iranische Präsident Hassan Rohani. Die anwesenden Staatschefs wollen ihn alle persönlich treffen. Auch das Gastgeberland kommt Rohani sehr entgegen. Er und sein Team bekommen mehr bilaterale Meetings mit chinesischen Offiziellen als die meisten anderen Gipfelteilnehmer.

Dieses vor allem wirtschaftliche Interesse beruht auf Gegenseitigkeit. Wegen des Atomstreits ist China neben Dubai ohnehin längst zu einem Schlüsselpartner für die Islamische Republik avanciert, wenngleich die iranische Bevölkerung, die sehr westlich orientiert ist, es lieber sehen würde, wenn die Wirtschaftswege nach Europa wieder geöffnet werden und statt der als „mangelhaft und qualitativ meist fraglich“ abgetanen chinesischen Ware“ endlich wieder mehr erschwingliche westliche Güter importiert würden.

Im Atomstreit könnte es heuer eine Lösung geben und dann hätten die Chinesen in puncto Iran-Geschäft wieder mit europäischer Konkurrenz zu kämpfen. Daher ist auch Peking sehr stark daran interessiert, möglichst rasch noch ein paar Milliardengeschäfte zu lukrieren, denn der Iran sei „einer der wichtigsten regionalen Kräfte“.

Rohani hat also nicht umsonst so eine große hochrangige Delegation mit Ministern und Entscheidungsträgern nach Shanghai mitgenommen und sich für seinen zweitägigen Aufenthalt mehrere bilaterale Treffen avisiert. Mit im Schlepptau hat Rohani Außenminister Mohammad Javad Zarif, Vizepräsident Akbar Torkan, den Kabinettschef der Präsidentschaftskanzlei, Mohammad Nahavandian, Verkehrsminister Abbas Akhoundi, Ölminister Bijan Namdar Zanganeh und den Spezialberater Hossein Fereydoun.

Fest steht für alle Beobachter jedenfalls, dass Washington die Tatsache, dass die Achsen Teheran - Peking und Teheran - Moskau durch den diesjährigen CICA-Gipfel ein Stück weiter untermauert werden, mit großer Skepsis beobachtet.

Der Gipfel findet alle vier Jahre statt, die Außenminister tagen jedes zweite Jahr. CICA ist ein Forum zum Austausch und zur Kommunikation innerhalb Asiens und soll den Frieden, die Sicherheit und die Stabilität in der Region forcieren. Die Organisation hat 24 Mitglieder, neun Beobachterstaaten, sowie die UNO, die OSZE die Arabische Liga und die Vereinigung türkischsprachiger Länder.