Stichwort: Albanien und Österreich

Wien/Tirana (APA) - Vor gut 100 Jahren war Österreich an der Entstehung eines eigenen albanischen Staates beteiligt. Heute unterstützt es di...

Wien/Tirana (APA) - Vor gut 100 Jahren war Österreich an der Entstehung eines eigenen albanischen Staates beteiligt. Heute unterstützt es die Integration des Landes in die Europäische Union.

Die Diplomatie Österreich-Ungarns spielte bei der Schaffung eines unabhängigen Albanien durch Loslösung vom Osmanischen Reich 1912 eine entscheidende Rolle. Rund um die schwindende Macht Konstantinopels, die Selbstständigkeitsbestrebungen der Völker auf dem Balkan und Herrschaftsansprüche Wiens sowie des Russischen Zarenreiches war es zum Ersten Balkankrieg gekommen. Die Habsburger-Monarchie machte sich danach für den Anspruch der mehrheitlich muslimischen Albaner auf ethnische Grenzen stark, um großslawischen und italienischen Ambitionen auf dem Balkan und in der Adria entgegenzuwirken. Rund die Hälfte der Albaner-Territorien blieb allerdings außerhalb des albanischen Staates, weil sich Wien nicht voll gegen die anderen Großmächte durchsetzen konnte.

In Albanien leben heute gut drei Millionen Menschen. Insgesamt mehr als doppelt so viele leben in den Nachbarländern Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Serbien und Montenegro sowie in der Diaspora in europäischen Staaten wie Deutschland oder der Schweiz sowie in den USA.

Die kommunistische Ära des Landes von 1944 bis 1991/92 hat Spuren bis heute hinterlassen: Nicht nur die Hunderttausenden Bunker, die Diktator Enver Hoxha (sprich: Hodscha) errichten ließ, um Albanien, das er vom Rest der Welt weitgehend abriegelte, vor einer Invasion zu schützen, sondern auch der nach wie vor große Entwicklungs- und wirtschaftliche Aufholbedarf. Hoxha hatte Auslandsinvestitionen in der Verfassung verbieten lassen. Für einen zusätzlichen Rückschritt sorgte der Zusammenbruch nach dem Pyramidensystem aufgebauter Finanzgesellschaften. Als diese 1997 zusammenbrachen und viele ihr gesamtes Erspartes verloren, stand Albanien am Rand des Bürgerkriegs. Altkanzler Franz Vranitzky vermittelte damals im Namen der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), um die Krise beizulegen.

Am 1. April 2009 trat Albanien der NATO bei. Im gleichen Jahr wurde der Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Ein Assoziierungsabkommen ist bereits seit acht Jahren in Kraft, seit knapp dreieinhalb Jahre können Bürger Albaniens ohne Visum in die EU einreisen. Ende Juni erhofft sich Tirana, den Status eines EU-Beitrittskandidaten zuerkannt zu bekommen. Österreich unterstützt das.

Verzögert hat die EU-Annäherung das gestörte Verhältnis zwischen den jeweils Regierenden und der Opposition. Immer wieder gab es Konflikte um den Ausgang von Wahlen. Seit September des Vorjahres ist Edi Rama von der Sozialistischen Partei (PS) an der Macht. Als er 2009 gegen die Demokraten (PD) nicht den Sprung ins Premiers-Amt schaffte, boykottierte er das Parlament und organisierte Proteste. Auf dem Höhepunkt der Konfrontationen wurden bei einer Anti-Regierungs-Demonstration in Tirana vier Demonstranten durch Schüsse der Republikanischen Garde getötet. Der Machtwechsel im Vorjahr ging glatt über die Bühne. Die nunmehrige PD-Opposition unter Lulzim Basha hat in jüngster Zeit ihre Kritik an Ramas Regierung jedoch wieder auf die Straße getragen und fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten.

Die EU pocht vor allem auf eine unabhängige Justiz und einen effektiven Kampf gegen die verbreitete Korruption und das Organisierte Verbrechen. Österreichische Unternehmen erwarten sich vor allem Rechtssicherheit und einfache Steuergesetze. Österreich ist drittgrößter Auslandsinvestor. Vertreten sind u.a. Raiffeisen im Bankensektor, EVN und Verbund im Bereich Wasserkraft. Bereits seit 1995 empfängt das Hotel „Europapark“ des österreichischen Tourismusunternehmers Robert Rogner im Herzen Tiranas Gäste.

Albanien ist ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die Wiener Architekten von Coop Himmelb(l)au planen das neue Gebäude des albanischen Parlaments.