Infineon Austria-Chefin Herlitschka: Standort mit Reformen sichern

Wien/Villach (APA) - Die neue Vorstandsvorsitzende des Halbleiter-Produzenten Infineon Austria, Sabine Herlitschka, hat heute ein klares Bek...

Wien/Villach (APA) - Die neue Vorstandsvorsitzende des Halbleiter-Produzenten Infineon Austria, Sabine Herlitschka, hat heute ein klares Bekenntnis zum Standort Österreich und Europa abgegeben. Österreich müsse seine Wettbewerbsfähigkeit aber durch Reformen steigern und damit den Standort absichern, forderte sie im Klub der Wirtschaftspublizisten, sonst drohe ein Rückfall in der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Reformvorschläge lägen alle auf dem Tisch, sie müssten nur politisch umgesetzt werden. Konkret fordert sie eine Senkung der Lohnnebenkosten, die Arbeitszeitflexibilisierung, eine Forschungsstrategie und die Forschungsprämie. Auch in der Bildung seien Reformen dringend notwendig. Die vorhandenen Potenziale müssten zur Gänze ausgeschöpft werden: „Wir brauchen die besten Köpfe“. Dazu setze Infineon als „Leitbetrieb“ auch auf intensive Kooperation mit KMU.

Der börsenotierte Halbleiter-Konzern Infineon sehe sich als „europäisches Modellunternehmen“: Das Headquarter ist in München angesiedelt, rund die Hälfte der Belegschaft ist in Europa tätig, die andere Hälfte in Asien. Europa sei für das Unternehmen die Basis, um im globalen Wettbewerb erfolgreich sein zu können - mit Forschung und Entwicklung, Innovation, Diversität und Kreativität. Dabei solle sich die EU auf die wichtigen Dinge konzentrieren - nach dem Motto „First things first“, meinte sie: Themen wie Innovation, Bildung, Arbeitsmarkt und Energie hätten Vorrang.

In Österreich ist das Infineon-Headquarter in Villach (Kärnten) angesiedelt, wo 2.600 von insgesamt 3.100 hierzulande Beschäftigten tätig sind. Weiters wird ein Forschungszentrum in Graz mit 300 Mitarbeitern betrieben, ein Sales Office in Wien sowie in Linz eine Beteiligung an einem Spin-Off. Konzernweit sind in Österreich 10 Prozent der gesamten Infineon-Belegschaft beschäftigt, bei den F&E-Mitarbeitern gleich 25 Prozent. Mit einer Akademikerquote von 50 Prozent in Österreich sei Infineon ein Beispiel für die Wissensökonomie.

Das Besondere an Villach ist laut Herlitschka die enge Verzahnung von Forschung und Entwicklung sowie Produktion. Hier sei vor eineinhalb Jahren die Entwicklung von Siliziumscheiben mit Durchmessern von 300 mm gelungen - „so groß wie ein Pizzaradl, aber halb so dünn wie ein Haar“. Nun werde ein Teil der Volumsproduktion zum Partnerunternehmen in Dresden verlagert. Dies sei zwar für die Belegschaft in Villach nicht einfach, aber nur so werde auch wieder Platz für Neues geschaffen. Die Zukunft für Villach liege nicht in der Volumsproduktion, sondern in der Innovation.

Für heuer erwartet Herlitschka in Österreich ein Umsatzwachstum „im niedrigen zweistelligen Bereich“: Die Umsatzprognosen für heuer seien bei 7 bis 11 Prozent Zuwachs gelegen und würden nun voraussichtlich am oberen Ende erfüllt. Das Werk in Villach sei „voll ausgelastet“.

Herlitschka hat Anfang April das Ruder von Monika Kircher übernommen. Ihre Vorgängerin bleibe Infineon aber noch als Beraterin erhalten. Kircher wolle sich auf Mentoring von jungen Führungskräften und auf industriepolitische Impulse konzentrieren.

Angesprochen auf die Diskussion um Frauenquoten gibt Generaldirektorin Herlitschka ein - bedingtes - Bekenntnis zur Frauenquote ab. Diese sei als „Übergangsregelung“ sicher sinnvoll, um das Thema ins Bewusstsein zu rücken und mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Während es etwa an den Universitäten lange geheißen habe, es gebe halt einfach keine geeigneten Frauen, seien mit der Einführung der 40-Prozent-Quote für Rektorate die geeigneten Frauen plötzlich vorhanden gewesen, meinte sie ironisch.

Für Infineon sei Diversität insgesamt wichtig: Die Belegschaft in Österreich komme aus rund 60 Ländern. Bei den Führungskräften strebt sie bis 2020 einen 15-prozentigen Frauenanteil an. Dies sei neben der Gerechtigkeit auch aus unternehmenseigenen Gesichtspunkten wichtig: „Diversität ist heute ein Erfolgsrezept“, so die Vorstandschefin. Bei der Problemlösung sei ein Zugang aus möglichst vielen verschiedenen Blickwinkeln der erfolgsversprechendste. Dies sei auch für Europa insgesamt eine Chance im globalen Wettbewerb.

Die Lebensmittel- und Biotechnologin sowie Wirtschaftstechnikerin Sabine Herlitschka (48) war im Büro für Internationale Forschungs-und Technologiekooperation (BIT) tätig, dessen stellvertretende Direktorin sie von 2001 bis 2003 war. Von 2003 bis 2006 wirkte sie als Vizerektorin für Forschungsmanagement und Internationale Kooperation an der Med Uni Graz. Von 2006 bis zu ihrem Wechsel zu Infineon 2011 leitete sie den Bereich Europäische und Internationale Programme der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Seit April 2014 ist sie Vorstandsvorsitzende bei Infineon Technologies Austria.

~ WEB http://www.infineon.com/austria ~ APA401 2014-05-20/14:18