OECD: Deutschland zweitgrößtes Einwanderungsland nach den USA

Berlin (APA/Reuters/AFP) - Wegen der Schuldenkrise zieht es immer mehr Ausländer nach Deutschland. „Mit rund 400.000 dauerhaften Zuwanderern...

Berlin (APA/Reuters/AFP) - Wegen der Schuldenkrise zieht es immer mehr Ausländer nach Deutschland. „Mit rund 400.000 dauerhaften Zuwanderern in 2012 liegt Deutschland erstmals in der OECD an zweiter Stelle nach den USA“, teilte die Industriestaaten-Gruppe am Dienstag zu ihrem Migrationsausblick mit. „Deutschland hat damit klassische Einwanderungsländer wie Kanada und Australien deutlich hinter sich gelassen.“

In keinem der 33 anderen OECD-Staaten habe es einen vergleichbaren Anstieg von 38 Prozent gegeben, betonte Experte Thomas Liebig von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Man kann hier ohne Übertreibung von einem Boom sprechen.“ 2009 lag Deutschland in der Rangliste noch auf dem achten Platz.

Die OECD untersucht den Zustrom von Menschen, die mindestens ein Jahr bleiben. Deshalb liegen erst Zahlen für 2012 vor. Liebig geht davon aus, dass es 2013 weiteres Wachstum gegeben habe, „aber einen weniger spektakulären Anstieg“.

Immer mehr Menschen kommen nach Deutschland, da es zunehmend weniger Hürden beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt gibt. Die Einwanderung im Zuge der sogenannten Personenfreizügigkeit macht mittlerweile mehr als drei Viertel der dauerhaften Zuwanderung nach Deutschland aus. Einen höheren Wert gibt es OECD-weit nur in der Schweiz und Österreich. Die Zusammenführung von Familien oder humanitäre Gründe spielen eine deutlich geringere Rolle.

Auch Länder wie Frankreich, Schweden und Finnland im Jahr 2012 Rekordzuwächse bei der Zuwanderung. Dagegen mussten die Krisenländer Spanien (minus 22 Prozent) und Italien (minus 19 Prozent) deutliche Rückgänge hinnehmen (jeweils unter 300.000 Zuwanderer). Aber auch nach Großbritannien kamen weniger Migranten (minus elf Prozent). EU-weit hielt der Rückgang insgesamt auch 2012 (minus zwölf Prozent) an.

Insgesamt zeigt die OECD-Studie einen deutlichen Zuwachs bei der Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union. 925.000 EU-Bürger übersiedelten im Jahr 2012 in ein anderes Mitgliedsland, ein Anstieg um zwölf Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Fast ein Drittel davon (300.000) emigrierten nach Deutschland, was einer Verdoppelung entspricht. Zahlen zu Österreich wurden in dem Dokument mit dem Titel „Migration Policy Debates“, das Teile des für kommenden Monat erwarteten Migrationsausblicks vorwegnimmt, nicht genannt.

Zuwanderung ist laut OECD ein Gewinn für die Einwanderungsgesellschaften. Auch wenn in den vergangenen zehn Jahren Zuwanderung OECD-weit kaum nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes gesteuert worden sei, spielten Zuwanderer „eine bedeutende Rolle“ in den dynamischsten Wirtschaftsbereichen - darunter das Gesundheitswesen sowie die Bereiche Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik.

Zuwanderer zahlten in den Einwanderungsländern mehr Steuern und Abgaben als sie umgekehrt Sozialleistungen in Anspruch nähmen, schreibt die OECD. Mit ihrer vergleichsweise guten Ausbildung trügen sie zudem zum Wachstum des sogenannten Humankapitals, zur Verjüngung der Arbeitnehmerschaft und zum technologischen Fortschritt der Länder bei.

~ WEB http://www.oecd.org/ ~ APA405 2014-05-20/14:22