Ein Tröpfchen Gift: Rebekka Bakken singt Tom Waits

Wien (APA) - „Ich musste es einfach tun“, sagt Rebekka Bakken, „auch wenn die Leute mich dafür vielleicht töten wollen.“ Tatsächlich scheint...

Wien (APA) - „Ich musste es einfach tun“, sagt Rebekka Bakken, „auch wenn die Leute mich dafür vielleicht töten wollen.“ Tatsächlich scheint es weit hergeholt, wenn die norwegische Sängerin mit ihrer drei Oktaven umfassenden Stimme sich ausgerechnet Tom Waits annimmt. 18 seiner Songs versammelt sie auf ihrem Album „Little Drop of Poison“ (Universal) und präsentiert diese im Oktober auch in Österreich.

Was bei vielen anfangs Skepsis auslöst, habe für die 1970 in Oslo geborene Sängerin sofort Sinn gemacht. „Ich habe mich in seinem Material gefunden“, sagt sie im APA-Interview anlässlich der Albumveröffentlichung am Freitag. „Es gibt viel großartige Musik da draußen, aber nur wenig, das jeden anspricht.“ Der Weg von Waits‘ mit rauer Stimme vorgetragenen, düsteren Texte über Außenseiterexistenzen Amerikas scheint denkbar weit zu dem zwischen Jazz und Pop changierendem Repertoire, das die elegante, blond gelockte Diva in Europa bekannt machte. „Seine Texte scheinen zwar düster, aber die Grenze zwischen gut und böse, richtig und falsch verschwimmt ein bisschen“, ist sich Bakken sicher. „Am Ende speist sich alles einfach aus Erfahrungen.“

Was anfangs als einmaliger Konzertabend der deutschen hr-Bigband unter Arrangeur Jörg Achim Keller gedacht war, mündete in eine Albumaufnahme in Frankfurt. „Schon während der ersten Stunde der Proben für dieses Konzert ist mir klar geworden, dass das etwas Großartiges wird und ich genau das für mein nächstes Album machen möchte“, so die Sängerin, die mittlerweile in den USA lebt und ihre Vorgängeralben „Morning Hours“ und „September“ mit US-Produzenten realisierte. „Mein Plattenlabel war anfangs skeptisch, so wie die meisten Menschen, auch ich. Aber ich musste es einfach tun und hätte es auch getan, wenn mein Plattenlabel nicht mitgezogen hätte.“

Bei der 16 bzw. für die Deluxe-Version 18 Songs umfassenden Auswahl haben sich Bakken und Keller bewusst „von den großen Hits ferngehalten, weil ich sie zu gut kenne, und dann nicht meine eigenen Versionen kreieren kann“, so Bakken. „Wir haben einfach ausgewählt, was uns am meisten angesprochen hat.“ Namhafte Songs wie „Little drop of poison“ oder „Christmas card from a hooker in Minneapolis“ sind ebenso vertreten wie Lieder aus Waits‘ Frühwerk oder das Titelstück seines 2011 erschienenen Albums „Bad as me“. Anders als erwartet waren es dabei nicht die Balladen, die Bakken leicht fielen, „im Gegenteil“. „Für mich liegt so viel Schönheit in den Balladen, aber sie brauchen mehr als nur eine schöne Stimme“, so Bakken. „Es ist so wie an einem Samstagabend auszugehen und sich nicht darum zu scheren, wie man aussieht, sondern sich nur damit zu beschäftigen, wer man ist.“

Die Big-Band-Arrangements irritieren bei dem ursprünglich naturalistischen, rohen Material ebenso wie Bakkens Stimme, die mal kristallklar, dann soulig klingt, stellenweise aber jene hustende, raue Vortragsweise des Gossenpoeten nachzuahmen scheint. „Ich habe nicht das Gefühl, ich hätte ihn imitiert, da war ich sehr vorsichtig“, widerspricht Bakken. „Ich habe meine Stimme schon früher auf diese Art und Weise bei Konzerten eingesetzt, aber nie durchgehend. Jetzt kann ich das für ein ganzes Album machen, das war mir wichtig - mich einmal um nichts anderes als Ausdruck zu kümmern.“

Mit den zahlreichen Künstlern, die Waits vor ihr gecovert haben, hat sich Bakken nicht beschäftigt. Auch was der große Tom Waits persönlich davon hält, weiß Bakken nicht. „Wenn er es toll findet, würde ich es gerne wissen. Aber wenn nicht, braucht er auch nicht zum Telefon zu greifen.“ So oder so bringt Bakken ihre Bestrebung unter die Leute: Im Oktober ist sie mit dem Waits-Programm in Graz, Wien, Linz und St. Veit/Glan zu Gast. Vor allem in der Hauptstadt sei sie gerne und oft, hat die mittlerweile in den USA lebende Sängerin doch sieben Jahre in Wien verbracht und von hier aus ihre Karriere gestartet. „Österreich fühlt sich für mich sehr vertraut an, wie Zuhause.“

(Das Gespräch führte Angelika Prawda/APA)

(S E R V I C E - Rebekka Bakken singt Tom Waits: 20.10. Orpheum Graz, 21.10. Wiener Konzerthaus, 22.10. Posthof Linz, 23.10. Blumenhalle in St. Veit/Glan, Tickets via www.oeticket.com)