„Tu, was du willst“: Mason bringt „Die unendliche Geschichte“ zu Ende

Wien (APA) - Unendlich ist die Geschichte also doch nicht, lediglich lang: Für das Theater der Jugend bringt Regisseur Henry Mason seit gest...

Wien (APA) - Unendlich ist die Geschichte also doch nicht, lediglich lang: Für das Theater der Jugend bringt Regisseur Henry Mason seit gestern, Dienstag, „Die unendliche Geschichte. Teil zwei“ auf die Bühne des Renaissancetheaters. „Die Schlacht um den Elfenbeinturm“ ist eine turbulente, bilderreiche Nacherzählung des 1979 erschienenen Kultbuches von Michael Ende, in der man leicht den Überblick verliert.

Eine Huldigung an die Macht der Fantasie, die Parallelwelten nach eigenen Wünschen erschaffen kann, eine Liebeserklärung an jene, die für den Alltag zu wenig Ellbogen haben und daher zu Außenseitern gemacht werden, eine Mahnung, dass es im Leben um mehr geht als um Aussehen, Mut und Körperkraft, ein Plädoyer für echte Herzensfreundschaft - all das und noch viel mehr ist der berühmte Roman. In den zweieinhalb Stunden von Teil zwei, der an den im Oktober gestarteten Auftakt anschließt, versäumt es Mason, Kernbotschaften auf den Punkt zu bringen. Es reagiert das Spektakel, buntes Ausstattungstheater (Ausstattung: Jan Meier und Ingrid Erb) mit wenigen wirklichen originellen Ideen und überreichlichen, mit etwas Augenzwinkern choreografierten Kampfszenen.

Der von seinen Mitschülern gemobbte dickliche Bastian Balthasar Bux (Stefan Rosenthal) nützt das Wunschamulett Auryn, das er als Dank für die Rettung der Kindlichen Kaiserin erhalten hat, dazu, sich ein neues, heldisches Aussehen zu verschaffen und seine eigene Geschichte zu erfinden. Dass Macht und Ansehen verführerisch sind, lernt er zum Leidwesen seines Freundes Atréju (Benjamin Levent Krause) rasch kennen, dass er sich jedoch mit jedem Wunsch von seiner eigenen Geschichte entfernt und so Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren, will er nicht wahrhaben.

Den auf Auryn eingravierten Spruch „Tu, was du willst“ hat der Regisseur offenbar nicht auf sich bezogen. Statt über eigene Wege in das untergegangene Phantásien zu gelangen, versucht er, den jungen Fans des Romans Wiedererkennungseffekte zu verschaffen. Der Glücksdrache Fuchur (Frank Engelhardt), der bunte Feuervogel Phönix (Tanja Raunig) oder der Feuerlöwe Graograman (Rafael Schuchter) - alle auf ihrem Platz. Das Ensemble sorgt für Tempo und fliegende Rollenwechsel, wechselt behände zwischen quirligen, frechen Schlamuffen, hohlen, sturen „schwarzen Panzern“ und vielen anderen Fantasiegestalten. Verschiedene Varianten des Puppen- und Schattenspiels werden ebenso einbezogen wie Musical-Anklänge. Die Schaulust wird bedient - und sorgt für Überforderung.

Denn in diesem Retro-Spektakel wirkt alles ein wenig hohl, wie schillernde Oberfläche. Fantasie siegt über Poesie in einem Kampf, der gar nicht geführt werden müsste. Sollte die fiese Zauberin Xayide (Stephanie Katharina Schreiter) dabei ihre Hände im Spiel haben? Es steht zu befürchten, dass ein großer Teil des Zielpublikums den Freibrief „Tu, was du willst“ eher nicht dafür nutzen würden, sich wie Bastian mit einem dicken Schmöker zurückzuziehen. Beobachter meinen nämlich, das „Nichts“ sei weiter im Vormarsch. Und die „Schlacht um den Elfenbeinturm“ noch lange nicht gewonnen.

(S E R V I C E - „Die unendliche Geschichte. Teil zwei: Die Schlacht um den Elfenbeinturm“ von Michael Ende, Regie: Henry Mason, Ausstattung: Jan Meier und Ingrid Erb, Choreografie: Lorna Dawson; Theater der Jugend, Renaissancetheater, Wien 7, Neubaugasse 36, Vorstellungen tgl. außer Sonntag, bis 24. Juni. Ab 6 Jahren. Karten: 01 / 521 10, www.tdj.at)

(B I L D A V I S O - Bilddownload: www.tdj.at/tdjpresse)