Wrestling

Schläge ins Leere treffen tief in die Herzen der Fans

Die jüngste Wrestling-Show in Innsbruck sorgte für Begeisterung, doch der Grat zwischen Fakt und Fiktion bleibt ein schmaler. Ein Lokalaugenschein.

Von Manuel Lutz

Innsbruck –Auf dem Parkett der Olympia-Eishalle tummeln sich Menschenmengen. In ihrer Mitte steht ein kleiner Ring, auf den ein paar tausend Augenpaare gerichtet sind. Ein Mann mit schriller Stimme versucht das Publikum mit englischen Schlachtrufen aufzuwecken, zu pushen. Mit Erfolg: In der Olympiaworld wird es lauter und lauter, der Wrestling-Abend, den viele ersehnt hatten, kann beginnen.

Doch nicht nur der Mann im Ring, der vermeintliche Star, wirkt auf den ersten Blick befremdlich. Auch das Publikum scheint für diesen Samstagabend in eine andere Rolle geschlüpft zu sein: Kinder präsentieren stolz auffällige Gürtel, während sie wild durch die Halle rennen. Viele Leute verdecken ihr Gesicht mit einer Schafsmaske und tragen dazu die passenden T-Shirts. Schnell wird klar, dass die Wrestler in Innsbruck auf Szenekenner treffen.

Angesichts von John Cena, „The Wyatt Family” und vielen anderen bekannten Größen kommen die Zuschauer kaum aus dem Jubeln heraus. Wohl ein Mitgrund für die Hysterie in der Halle: Die dargebotenen Würfe und Griffe tragen zusätzlich zur Begeisterung bei. Die Euphorie lässt auch eine Mutter etwas überreagieren, zu ihrem kleinen Kind faucht sie: „Ich bin hier zum ‚Wrestling’-Schauen und nicht, um mich um dich zu kümmern.“

Als es plötzlich etwas ruhiger wird, die Stimmung weiter angeheizt ist, beginnt das erste Match. Je gefährlicher und zugleich spektakulärer die Aktionen aussehen, desto besser ist der Kampf. Während von der Ferne Tritte und Schläge noch brutal wirken, wird aus kurzer Entfernung gleich ersichtlich, dass die Wrestler eine unglaubliche Show abliefern.

Die Akteure achten dabei auf zwei Eckpfeiler. Zum einen muss das Spektakel für die Zuschauer möglichst realistisch aussehen, zum anderen ist der Fokus darauf gerichtet, seinen Gegner nicht zu verletzen. Dabei hat nicht nur der Angreifer alle Hände voll zu tun, auch der Attackierte muss sein Soll erfüllen. Durch „Selling“ (englisch für verkaufen) sollen die Aktionen den Zuschauern möglichst realistisch vorgeführt werden. Trotzdem kam es auch schon zu schweren Verletzungen.

Aber allein mit einem spannenden Match ist die Arbeit nicht erfüllt, sowohl davor wie auch danach müssen die Anhänger bei Laune gehalten werden. Daher gilt: auffallen um jeden Preis.

Als das Match von John Cena endet, hüpft der Anhang von den Sitzen und stürmt zum Ring. Jeder will das große Idol begutachten und mit ihm feiern. Ein Blitzlichtgewitter ist die Folge.

Als der gefeierte Held schließlich den Weg in den Backstage-Bereich antritt, folgen die letzten Sprechchöre, der Applaus verstummt nicht so schnell. Nur langsam realisieren die Fans, dass alles schon wieder vorbei ist. Denjenigen, die es noch nicht wahrhaben wollen, wird das vom Hallenpersonal mitgeteilt. Die Halle leert sich zusehends – und der Alltag kehrt wieder zurück.

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