„In the lonely hour“: Sam Smith besingt die unerfüllte Liebe

Wien/London (APA) - „Ihr kennt vielleicht sein Gesicht nicht, aber definitiv seine Stimme“, konstatierte die BBC, als Sam Smith Anfang des J...

Wien/London (APA) - „Ihr kennt vielleicht sein Gesicht nicht, aber definitiv seine Stimme“, konstatierte die BBC, als Sam Smith Anfang des Jahres Platz 1 ihrer renommierten „Sound of 2014“-Reihe ergatterte. Schon Adele oder Ellie Goulding wurden mit dieser Ehrung große Karrieren prophezeit - und wenn man das am Freitag erscheinende Debütalbum des 22-jährigen Briten hört, wäre alles andere bei ihm abwegig.

Gerade mal 33 Minuten braucht Sam Smith auf „In the lonely hour“ (Universal), um die Berechtigung auf eine große Karriere zu untermauern. Seine kraftvolle Falsett-Stimme tönte erstmals im Charterfolg „Latch“ des Londoner Electro-Garage-Duos Disclosure Ende 2012 aus dem Radio. 2013 bescherte er dann stimmlich und textlich Naughty Boy mit dem Bollywood-angehauchten Sommer-Hit „La La La“ mehrfaches Platin und mehr als 310 Millionen Klicks auf Youtube.

Dass Smith problemlos auch eigene Songs stemmt, wurde spätestens Anfang diesen Jahres mit der offiziell als Debütsingle veröffentlichten R&B-Nummer „Money on my mind“ klar: Acht Wochen vor Release war der Ohrwurm über die Verführungen der Musikbranche auf BBC Radio 1 zu hören - eine Ausnahme, die der Radiosender noch nie zuvor gewagt hatte. Top-Chartplatzierungen, auch in Österreich, folgten.

Geboren im englischen Kaff Great Chishill in Cambridgeshire, hat der blasse Brite mit der Haartolle früh Songs von Aretha Franklin, Chaka Khan und Whitney Houston bei der langen Autofahrt von und zur Schule geschmettert und so den Grundstein zu seinem Diva-esquen Gesangsstil gelegt. Dass er heute zu derart hohen Tönen fähig ist, führt er daher nicht nur auf die Gesangsausbildung während des später folgenden Stimmbruchs zurück. „Ich glaube, es kommt vom so frühen Nachahmen dieser weiblichen Stimmen“, sagt er im Interview mit „BBC News“. „Ich wollte die Töne treffen, die sie treffen.“ Es folgten Auftritte bei Schul-Musicals und als Backup-Sänger für seine Jazz-Lehrerin. Lange habe er zwischen Jazz und Pop changiert - und sich letztlich für Pop entschieden.

„I do it for the love“, nicht für das Geld, singt Smith auf „Money on my mind“, das als erster von zehn Songs sein Debütalbum eröffnet - und das glaubt man ihm auch. Mit hinreißenden Arrangements zwischen klassischem Pop, Dance, Soul und Gospel, einer außergewöhnlichen Stimme und sehr persönlichen Texten verschreibt er sich auf „In the lonely hour“ ganz der unerfüllten Liebe. „Mein ganzes Leben lang habe ich Songs über das Schlussmachen und das Verlieben gehört“, erzählt er „BBC News“, „aber ich hatte selbst nie einen Partner. Nie war ich in jemanden verleibt, der mich auch geliebt hat.“ Die Platte sei einsamen Menschen wie ihm gewidmet - und habe ihn selbst weniger traurig gemacht.

Dementsprechend nahe gehen die Songs, die neben dem Überthema Liebe auch das Potenzial zum Charterfolg eint. Märchenhaft lässt Smith die aktuellste Single-Auskopplung „Lay me down“ mit Streichern eröffnen, singt von Dingen, die zu schön sind, um wahr zu sein: „Too much of a good thing won‘t be good for long / though you made my heart sing, to stay with you would be wrong“. Herzzerreißend erhebt er auch die Stimme mit Gospel-Chor-Verstärkung auf „Stay with me“ - „cause you‘re all I need“. Wesentlich reduzierter kommen sein Plädoyer „Leave your lover“ oder das von Sehnsucht durchzogene „Lay me down“ daher: Bereits im Februar 2013 als Demo online gestellt, zog Smith letzteres zwei Tage später zurück - zu persönlich, zu traurig sei der Text, sagte er damals. Die Resonanz seitdem und die Umrahmung durch das Album scheinen ihm Sicherheit zu geben.

(S E R V I C E - http://samsmithworld.com)