Gesellschaft

Bildungssystem kann Karriere-Killer sein

Jugendliche sind bei der Bildungs- und Berufswahl schwer in Not. Karrieren scheitern auch am Schulsystem.

Von Margit Bacher

Innsbruck –Das hoch selektive Schulsystem Österreichs sowie der „heimliche Lehrplan der Schulsozialisation“, der soziale Randgruppen benachteiligt, bringt Jugendliche in eine ungünstige Ausgangssituation. Das zeigt die Studie „Perspektiven Bildung Österreich“, die kürzlich im Festsaal des BFI-Tirol präsentiert worden ist.

Zentrales Ziel dieser Studie war, die Lebenswelten von Jugendlichen zu erforschen, um mit den Ergebnissen neue Ansätze in Sachen Bildungs- und Berufsberatung zu entwickeln. Das vom Bildungsministerium und vom Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt brachte in der ersten Phase „Ursache und Unterschiede von Bildungsbeteiligung“ ein weiteres Ergebnis: Die soziale Schicht, das soziale Milieu, dem die Eltern angehören, und die Bildungshaltung in dieser Schicht sind entscheidend dafür, wie sich die Bildungs- und Berufskarriere von jungen Menschen entwickeln wird, und zwar unabhängig von der nationalen Herkunft, fasst Gerhard Hetfleisch vom Zentrum für MigrantInnen in Tirol (Zemit), zusammen.

Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Autonomie ist für Jugendliche extrem wichtig. „Stress machen in dieser Phase vor allem die ältere Generation und die Bildungsinstitutionen“, sagt Univ.-Prof. Maria A. Wolf vom Institut für Erziehungswissenschaften und spricht bewusst nicht von der Elterngeneration. Für sie ist die Lebensrealität der Jugendlichen mit dem derzeitigen linearen Bildungssystem nicht kompatibel. Das Schulsystem müsse darauf reagieren und einen Wiedereinstieg ermöglichen, fordert sie. „Warum schaffen wir nicht mehr Gelassenheit? Studien belegen, dass erfolgreiche Menschen oft brüchige Bildungsbiographien haben.“

Und noch ein weiterer Punkt beschäftige die Jugendlichen. „Ein Bildungsabschluss ist heute keine Garantie mehr für einen Berufsweg“, sagt Wolf. „Wo man in den siebziger Jahren noch mit dem Hauptschulabschluss einen guten Job bekam, braucht man jetzt schon den Bachelor.“

Ihr Kollege Erol Yildiz würde sofort im Schulsystem ansetzen und etwas ändern. „Die Schule muss sich neu erfinden, denn die Welt hat sich verändert. Vor vierzig Jahren wurde die Hauptschule für die Industrialisierung konzipiert. Jetzt sind wir schon lange eine Dienstleistungsgesellschaft und darauf muss die Schule reagieren.“

Aus dem Ergebnis der Studie hat die Hafelekar Unternehmensberatung neue Beratungsmethoden entwickelt und arbeitet unter anderem mit Symbolarbeit, Theaterpädagogik und Social Media.

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