Hochwasser

Landmine explodierte in Bosnien, Situation bleibt dramatisch

Eine Frau sitzt vor ihrem durch die Wassermassen zerstörten Haus in Topcic Polje.
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Durch die Wassermassen steigt im Überschwemmungsgebiet auf dem Balkan das Risiko für weitere Minenexplosionen. Auch der Ausbruch von Seuchen droht.

Belgrad/Sarajevo – In einem überschwemmten Minenfeld nahe der nordbosnischen Stadt Brcko ist es am Mittwoch laut Medienberichten zur Explosion einer Landmine gekommen. Verletzte gab es demnach nicht. Das Zentrum für Minenräumung in Sarajevo appellierte unterdessen an die Bevölkerung, gefundene Minen nicht zu berühren, sondern die Umgebung mit Warnschildern abzusichern.

Die bosnischen Minenräumungsdienste erhielten mittlerweile Unterstützung aus dem Ausland, etwa aus Belgien. Bis Monatsende sollen neue Landkarten mit potenziellen Minenfeldern in den von Überschwemmungen betroffenen Regionen angefertigt werden. Die belgischen Helfer wollten am Mittwoch zunächst mit einer Drohne die verminten Gegenden um Maglaj und Doboj, zwei der von den Überschwemmungen am stärksten betroffenen Städte im Nordosten, aus der Luft dokumentieren. Große Gefahr herrscht auch in der Gegend des Flusses Save sowie im Una-Sana-Kanton im Westen des Landes.

In Bosnien sind weiterhin etwa 1.215 Quadratkilometer bzw. 2,4 Prozent des Landesgebietes vermint. Die Minenfelder befinden sich an den einstigen Frontlinien, so etwa bei Maglaj und Doboj. Seit Jahresbeginn wurden vier Personen durch Minenexplosionen getötet.

Die Situation in den überschwemmten Regionen wird nach dem Zurückgehen des Wassers durch rasch ansteigende Tagestemperaturen erschwert. Nun drohe der Ausbruch des West-Nil-Fiebers und die Verbreitung von Milzbrand, warnte am Mittwoch Nihajd Fejzic von der Veterinärmedizinischen Fakultät in Sarajevo. Starker Fäulnisgeruch breitete sich in Maglaj und Doboj aus. Müllberge, Staub und Schlamm prägten das Straßenbild.

Situation bleibt dramatisch

In den Hochwasser-Regionen Serbiens, Bosniens und Kroatiens sind die Pegel zahlreicher Flüsse zwar gesunken, die Situation war am Mittwoch aber nach wie vor dramatisch: Erdrutsche, Grundwasser und Flüsse, die sich ihre eigenen Wege bahnten, bereiteten lokalen Krisenstäben anhaltendes Kopfzerbrechen.

Ein Hund sitzt auf einem zerstörten Basketballplatz.
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In den serbischen Ortschaften Morovic und Visnjicevo wurde dagegen die zweite Evakuierungsphase gestartet: Frauen, Kinder und alte Menschen müssten im Laufe des Tages ihre Häuser verlassen, entschied der regionale Krisenstab. Grund der Maßnahme war ein Dammbruch an der Save in Ostkroatien. Dadurch bahnt sich die Save ihren Weg durch Waldgebiete in Richtung der beiden Ortschaften und birgt ein nicht kalkulierbares Risiko.

Im bosnischen Kanton Tuzla wurden bis Mittwoch mehr als 2.500 Stellen identifiziert, an denen Gefahr durch Erdrutsche besteht. Bedroht waren rund 3.000 Häuser, hieß es.

In Mali Zvornik an der serbisch-bosnischen Staatsgrenze wurde vorläufig die Gefahr gebannt, dass Erdreich den Fluss Drina verlegt. Sollten sich die Erdmassen weiterbewegen, droht der Fluss die bosnischen Stadt Zvornik zu überfluten. In Banja Luka würden dringend männliche Arbeitskräfte benötigt, hieß es seitens die Stadtbehörden.

Kampf gegen Wassermassen in Obrenovac

In Obrenovac, der in Serbien am schwersten betroffenen Kleinstadt südwestlich von Belgrad, mussten in der Nacht auf Mittwoch die letzten noch nicht evakuierten Bewohner ihre Häuser verlassen. Seit Freitag wurden dort mehr als 24.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der Kampf gegen die Wassermassen wurde auch im Kohlekraftwerk TENT fortgesetzt, auf das die Hälfte der serbischen Stromproduktion entfällt. Aus Belgrad wurden 60.000 zusätzliche Sandsäcke geschickt.

In Belgrad, wo an der Save und Donau ebenfalls Schutzdämme errichtet wurden, wurde die Situation als sicher bewertet. In Sabac, wo unter anderem österreichische Hilfsteams im Einsatz sind, hat sich die Lage entspannt. Entwarnung wurde für die Kleinstadt an der Save jedoch noch nicht gegeben.

In den Uni-Gebäuden von Belgrad herrscht unterdessen ungewöhnliche Stille. Prüfungstermine wurden auf die kommende Woche verschoben, da zahlreiche Studenten bei der Errichtung von Schutzdämmen und in Notunterkünften für Hochwasseropfer helfen. (APA)

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