EU-Wahlen

SPÖ: Junge müssen arbeiten dürfen

Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen und ein sozialeres Europa schaffen – mit diesen Zielen geht die SPÖ mit Eugen Freund in die EU-Wahlen am Sonntag.

Wien/Innsbruck – Der wohl medienwirksamste Coup dieses Wahlkampfes gelang der SPÖ, indem sie den ehemaligen ORF-Moderator Eugen Freund ins Boot holte. Nicht-Parteimitglied Freund soll der SPÖ zum Wahlsieg verhelfen und das historisch schlechteste Ergebnis von 2009 in Vergessenheit geraten lassen. Delegationsleiter im EU-Parlament will der Politikneuling jedoch nicht werden. Wer diese Rolle sonst übernehmen soll, werde zu gegebener Zeit entschieden, so Freund.

Erste Aufreger lieferte der ehemalige Journalist kurz nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur, nachdem er den Durchschnittslohn von Arbeitern in einem Interview auf „ungefähr 3000 Euro“ schätzte. Die Partei scheint ihm diesen Fehltritt aber mittlerweile verziehen zu haben. Ihren eigenen Spitzenkandidaten Eugen Freund sehen die Sozialdemokraten mittlerweile gut unterwegs. Er punkte landauf, landab mit „Sympathie und Kompetenz“, dies würden aktuelle Umfragen untermauern, so Bundesgeschäftsführer Darabos.

Steckbrief Eugen Freund

Geboren am 15. April 1951 in Wien

Beruf: Journalist, Politiker

Wohnort: Wien

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Lieblingsmusikstil: Klassik

Lieblingsbuch: Derzeit Cerstin Gammelin/Raimund Löw: Europas Drahtzieher

Hobbys: Heimwerken, Tennis

Beruflicher Werdegang:

Journalist, u.a. für „profil“ und ORF-Hörfunk-Innenpolitik; Pressesekretär im Außenministerium; Tätigkeit beim Österreichischen Presse- und Informationsdienst in New York; Moderator der ORF-ZiB2, ORF-Korrespondent in Washington, Moderator der ZiB1; Autor von Sachbüchern und einem Krimi

Politischer Werdegang:

Spitzenkandidat der SPÖ für die Europawahl 2014

Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

Ein Hauptthema der Sozialdemokraten in der Wahlkampagne ist die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, wobei Freund davor warnt, auf Sofortlösungen zu hoffen: „Von einem Monat auf den anderen wird man die Jugend-Arbeitslosigkeit nicht beenden können.“ Worum es gehe, sei jetzt einen Kurswechsel einzuleiten. Denn bisher sei durch konservative Mehrheiten das Problem an den Rand geschoben worden. Ziel müsse es sein, die Jugendarbeitslosigkeit niedrig zu halten. Er wolle daher „in Brüssel“ Botschafter für die Ausbildungsgarantie für Jugendliche, die duale Ausbildung und überbetriebliche Lehrwerkstätten sein.

Allgemein gehe die Schere zwischen Arm und Reich in Europa immer weiter auseinander, Arbeit werde zu hoch, Vermögen hingegen zu wenig besteuert.

Skeptisch zeigt sich Freund gegenüber dem Freihandelsabkommen TTIP mit den USA, vor allem solange die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfänden. Gänzlich eine Zustimmung ausschließen will Freund jedoch nicht.

Europa soll näher zusammenrücken

Geht es nach dem SPÖ-Spitzenkandidaten, soll die Union auf mehreren Ebenen näher zusammenrücken, etwa bei der Asylpolitik. „Natürlich“ müsse es in diesem Bereich künftig solidarischer zugehen in Europa: „Wir können nicht zulassen, dass einzelne Staaten die ganze Last übernehmen“. Für Freund ist es nicht einsehbar, dass einzelne Staaten die größte Zahl der Flüchtlinge übernehmen müssten, nur weil sie am Mittelmeer lägen und die Schiffe mit den Asylwerbern dort ankämen. Es brauche eine gleichmäßigere Verteilung in ganz Europa.

Überhaupt tritt der sozialdemokratische Spitzenkandidat dafür ein, dass die EU in der Außen- und Sicherheitspolitik näher zusammenrückt. Auch wenn sich bereits viel entwickelt habe, gebe es in diesem Bereich noch Nachholbedarf. „Am besten wäre ein europäischer Außenminister, der eine Linie vorgibt“, wirbt Freund für eine Aufwertung der Rolle der außenpolitischen Beauftragten, die derzeit von Catherine Ashton wahrgenommen wird. (APA, mats, tt.com)

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