Ein Drittel der Eltern lernt täglich mit den Kindern

Wien (APA) - Ein Drittel der Eltern lernt täglich am Nachmittag mit den Kindern, 75 Prozent betätigen sich mindestens einmal pro Woche als N...

Wien (APA) - Ein Drittel der Eltern lernt täglich am Nachmittag mit den Kindern, 75 Prozent betätigen sich mindestens einmal pro Woche als Nachhilfelehrer. Das zeigt das aktuelle „Nachhilfebarometer“ der Arbeiterkammer (AK). Die Gesamtausgaben für bezahlte Nachhilfe betragen heuer wie schon im Vorjahr 109 Mio. Euro.

„Die Lernbelastung der Familien lässt nicht nach“, so AK-Präsident Rudolf Kaske bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Es gelte das Motto: „Alles wird gut, aber derzeit ist nix besser.“ Das Problem sei dabei nicht das gelegentliche Unterstützen der Kinder, meinte die Leiterin der AK-Abteilung Bildungspolitik, Gabriele Schmid. „Ab und zu Vokabel Lernen macht vielleicht sogar Spaß.“ Es könne aber nicht sein, dass die Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder in die Wohnzimmer der Familien abgewälzt werde, so Kaske.

Am häufigsten lernen die Eltern von Volksschülern mit ihren Kindern: 56 Prozent tun dies täglich, 19 Prozent zwei- bis dreimal und zehn Prozent einmal pro Woche. Besser sieht es an den Ganztags-Volksschulen aus: Aber auch hier helfen 23 Prozent der Eltern jeden Tag. „Das ist immer noch viel zu viel“, so Schmid. Der Bund sollte die Mittelvergabe an die Länder deshalb stärker mit Qualitätskontrollen verknüpfen.

In der AHS-Unterstufe, den Haupt- und Neuen Mittelschulen sind jeweils rund 30 Prozent der Eltern täglich mit den Kindern am Lernen, der gleiche Prozentsatz unterstützt die Kinder zwei- bis dreimal pro Woche. In den Oberstufen reduziert sich dieser Prozentsatz dann deutlich - jeweils ein Viertel ist aber auch hier mindestens einmal pro Woche als Nachhilfelehrer aktiv. „Die elterliche Unterstützung wendet sich da schon ins Finanzielle“, so Schmid. Rechnet man die elterliche Lernhilfe in Vollzeitäquivalente um, kommt man auf rund 48.000 Beschäftigte.

Bezahlte Nachhilfe nehmen zwölf Prozent der Familien in Anspruch. Am höchsten ist der Prozentsatz hier bei AHS-Oberstufenschülern (26 Prozent), gefolgt von den Jugendlichen an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) mit 19 Prozent und den AHS-Unterstufenschülern mit 16 Prozent. Die Ausgaben belaufen sich dabei über alle Schularten gerechnet auf durchschnittlich 666 Euro im Jahr: Die höchste finanzielle Belastung gibt es auch hier bei den AHS-Oberstufenschülern (865 Euro), gefolgt von den BHS (701 Euro) und den AHS-Unterstufen (695 Euro). Besonders stark nachgefragt wird Nachhilfe in der Mathematik (60 Prozent), gefolgt von den Fremdsprachen (44 Prozent).

Doppelt benachteiligt sind laut Kaske Kinder von Eltern, die selbst nur geringe Schulabschlüsse haben: Diese könnten einerseits den Kindern nicht helfen, sich aber umgekehrt auch bezahlte Nachhilfe seltener leisten.

Lösungsansätze sieht die AK etwa im Ausbau des Förderunterrichts an den Schulen. Dieser werde aufgrund komplizierter und bürokratischer Vorgaben zu selten angeboten. So müsse etwa an den AHS eine gewisse Gruppengröße erreicht werden, dazu müssten dafür auch noch ausreichend Lehrer-Unterrichtsstunden und ein Raum zur Verfügung stehen, so Schmid.

Für das „Nachhilfebarometer“ wurden im März und April von IFES österreichweit 3.000 Haushalte mit 5.060 Schulkindern befragt.

( 0617-14, Format: 88x68mm)

~ WEB http://www.arbeiterkammer.at ~ APA244 2014-05-21/12:31