Siemens-Angebot für Alstom lässt auf sich warten

München/Paris (APA/Reuters) - Siemens wird sein Angebot für die Alstom-Energietechnik wohl später vorlegen als erwartet. Nachdem Vorstandsch...

München/Paris (APA/Reuters) - Siemens wird sein Angebot für die Alstom-Energietechnik wohl später vorlegen als erwartet. Nachdem Vorstandschef Joe Kaeser mehr Informationen von den Franzosen angefordert hat, werde es in der laufenden Woche voraussichtlich nichts mehr mit dem Offert, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Münchner müssten zunächst die Antwort von Alstom-Chef Patrick Kron abwarten. Sollte er weitere Akten öffnen, müssten die wiederum geprüft und bewertet werden. Es sei daher unwahrscheinlich geworden, dass Siemens wie zunächst angepeilt am Freitag seine Pläne präsentiere. Erst Mitte nächster Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Für ein Gegenangebot zu dem Vorstoß des US-Rivalen General Electric (GE) hatte sich Siemens zunächst vier Wochen Zeit bis Ende Mai erbeten. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg machte am Dienstagabend öffentlich, dass Siemens Alstom aufgefordert hat, einen tieferen Blick in die Bücher zu gewähren. Die Datenqualität sei noch nicht ausreichend, hieß es aus dem Umfeld der Münchner. Die Zeitung „Le Monde“ berichtete, Siemens wolle besser die Folgen abschätzen können, die durch laufende Korruptionsermittlungen gegen Alstom in den USA, Brasilien und Großbritannien drohen. Demnach könnte die Strafe gegen das Unternehmen höher ausfallen als bei Siemens seinerzeit für die milliardenschwere Schmiergeldaffäre. Die Münchner zahlten 2008 knapp 600 Mio. Euro an die US-Behörden.

In Frankreich fiel die Reaktion auf Kaesers Aufforderung irritiert aus. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie die rivalisierenden Amerikaner. Alstom-Chef Kron werde Siemens höflich antworten, das Begehren aber abschmettern, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen. GE wolle laut Gebot alle offenen Forderungen gegenüber Alstom übernehmen, betonte eine Alstom-Sprecherin.

GE bietet bisher 12,35 Mrd. Euro für das Hauptgeschäft der Franzosen. Das Offert stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Alstom will das Offert bis zum 2. Juni prüfen. Frankreich hatte Siemens um Hilfe gerufen, weil es das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sieht und Arbeitsplatzverluste in Frankreich befürchtet. Unter diesem Druck hat Alstom seine Bücher auch für Siemens geöffnet. Der Elektronikkonzern hat bisher noch kein Gebot vorgelegt.

GE wirbt ungebrochen für sein Vorhaben. „Wir schätzen das Engagement der französischen Regierung. Wir sind offen für einen weiteren Dialog“, sagte Spitzenmanager John Rice dem Magazin „Capital“. „Wir glauben, dass unser Vorschlag gut ist für Frankreich, gut für Alstom und gut für GE.“ Sein Haus bekenne sich zu Europa. „Unser Angebot zur Akquisition wesentlicher Bereiche des Energiegeschäfts von Alstom ist ein klares Zeichen dafür.“

Im wesentlichen geht es den Bietern um die mehr als 6.000 installierten Turbinen von Alstom, die bei den Kunden vom Hersteller gewartet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Energietechniksegmenten der Franzosen versprechen die Serviceverträge im Energiesektor traditionell sehr hohe Margen. Die Renditen sind sogar derart hoch, dass die Anbieter die Ergebniszahlen ihrer Energiewartungssparten vor der Öffentlichkeit verbergen.

Im Gespräch ist, dass die Münchner im Tausch für das Energiegeschäft von Alstom ihre Zugsparte abgeben. Frankreich hatte sich in dem Übernahmepoker in der vergangenen Woche das letzte Wort gesichert. Die Regierung veröffentlichte am Donnerstag ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Experten zufolge dürfte der Erlass Siemens in die Karten spielen, da die Regierung Präferenzen für die Münchner durchblicken ließ. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt.

Siemens-Chef Kaeser hatte zuletzt betont, dass es ihm mit einem Offert ernst sei. Aus dem Konzernumfeld hieß es jüngst, er sei an einem Geschäft sehr interessiert. Die Siemens-Pläne sehen eine Tausch- und eine Kaufpreiskomponente vor: Die Deutschen bekommen die Energietechnik, die Franzosen im Gegenzug die Zugsparte von Siemens. Die Wertdifferenz wird ausgeglichen. Diese Konstellation mache einen Vergleich mit dem GE-Angebot schwierig, hieß es. Zudem habe Siemens kartellrechtlich Bauchschmerzen, da über den geplanten Weg faktisch ein Monopolist für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa entstehe. Dieses Risiko bestehe bei einem Kauf durch GE nicht.

Experten zweifeln ohnehin, ob Siemens-Chef Kaeser sich mit letzter Entschlossenheit auf einen milliardenschweren Poker mit dem US-Rivalen um das in seiner Gesamtheit verhältnismäßig wenig einträgliche Geschäft der Franzosen einlässt. Die IG Metall hat ihm bereits signalisiert, dass sie einen Kauf um jeden Preis nicht mittragen wolle.

~ ISIN DE0007236101 US3696041033 WEB http://www.siemens.com

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http://www.ge.com/ ~ APA305 2014-05-21/13:35