Verkehr

Vollsperre am Fernpaß: Und die Räder drehten sich doch

Die Vollsperre des Fernpasses für einen Tag löste im Außerfern kein besonderes Innehalten aus. Viele Verkehrsteilnehmer fuhren bis zum Pass weiter – schauten, ob sich nicht doch ein Schlupfloch auftut.

Von Helmut Mittermayr und Matthias Reichle

Reutte, Imst –Bei der Shell-Tankstelle am Bahnviadukt in Ehrwald war gestern ein normaler Arbeitstag mit hoher Kundenfrequenz. Keine Selbstverständlichkeit, war doch die Fernpassstrecke wegen Asphaltierungsarbeiten den ganzen Tag von sechs Uhr Früh bis 23 Uhr komplett gesperrt. „Wir haben mit weit weniger Bewegung gerechnet“, erklärt Carina Dejaco. Die junge Ehrwalderin, die an der Tankstellenkasse arbeitet, mutierte am Mittwoch zur inoffiziellen Verkehrsberaterin. Immer wieder betraten „Auswärtige“ die Tankstelle und fragten, ob der Pass wirklich total gesperrt sei oder nicht etwa doch ein Schleichweg offen wäre. „Nein, da ist zu“, hieß es kurz. Dejaco blieb kundenorientiert und fragte geduldig, wohin die Reise denn gehen solle. Bei Destination Innsbruck empfahl sie über Garmisch und Seefeld auszuweichen, bei Zielen im Tiroler Oberland via Hahntennjoch Imst anzusteuern.

Nur wenige Kilometer weiter war dann eine offizielle Verkehrsberaterin tätig. Birgit Berger von der Landecker Firma Miwa stand seit den Morgenstunden auf Außerferner Seite an der letzten Umkehrmöglichkeit am Fernpass und stoppte die Unverdrossenen, Eisernen, Unbeirrbaren, auch Uninformierten – einfach alle, die trotz Dutzender Kilometer davor massenhaft aufgestellter, riesiger Hinweisschilder weitergefahren waren. Die „Wegweiserin“ mit norddeutschem Idiom hielt nicht viel von detaillierten Umgehungsvorschlägen. Freundlich gab sie eine Richtung vor. „Links abbiegen und weiter nach Garmisch fahren“, lautete ihr Credo für Autofahrer. Der Umweg war hier weit geringer als gefühlt. Wer etwa Innsbruck ansteuerte, saß nur 13 Kilometer mehr im Auto.

Für Lkw-Kapitäne – auch sie strandeten aus Deutschland kommend im Minutentakt am Fernpass – hatte Berger hingegen einen alternativen Tipp parat – nämlich großräumig über Lindau auszuweichen. Da große Brummer den Zirler Berg nicht befahren dürfen, mussten sie über Kempten-Lindau-Arlberg-Imst einen Umweg von 250 Kilometern in Kauf nehmen.

Das Verkehrsaufkommen auf der Fernpassstraße B 179 war am Mittwoch im Bezirk Reutte überraschend hoch. Ein gesperrter Fernpass schien niemanden wirklich zu beeindrucken.

Obwohl die Strecke von Reutte nach Innsbruck über Seefeld anstatt über Nassereith kaum zehn Kilometer länger ist, nahmen sich vereinzelte Außerferner, die mehrere Tage in der Landeshauptstadt zu tun hatten, sogar Zimmer in Innsbrucker Hotels, um sich das Pendeln zu ersparen.

Auf der Südseite des Passes waren die Gespräche die gleichen, nur die Protagonisten andere. „Das Navi hat gesagt, ich darf hier fahren“ – in diesem Fall hatte nicht der Autopilot, sondern die Polizei das letzte Wort. Der junge deutsche Fahrer musste umkehren. Wie viele strandete er kurz hinter dem Nassereither Rastland. Dort war Schluss. „Memmingen“ war das Reiseziel eines Sattelschleppers aus Ungarn. „Über Bregenz oder Kiefersfelden“, war der Rat des Polizeibeamten. „Das Navigationsgerät hat schon gemeldet, dass der Fernpass gesperrt ist“, meinte ein Ehepaar aus Zürich – „es standen auch überall Schilder“. Nach dem Motto „vielleicht geht’s doch“ probierten es viele doch. „Ich will duschen“, protestierte der Frankfurter Fernfahrer Thorsten, der die Sperre am Rastlandparkplatz abwartete. Sein holländischer Arbeitgeber hatte ihn nicht gewarnt. Bitter, dass nicht nur die Straße zu war, sondern auch die Raststätten.

Oben auf der Passhöhe wurde mit Volldampf gearbeitet – im wahrsten Sinn des Wortes. Mit bis zu drei Asphalt-Fertigern wurden über 1000 Tonnen Teer aufgetragen. „Zehn Jahre hat die alte Decke gehalten“, meint Strabag-Bauleiter Helmuth Weihtrager, der die Arbeiten mit Günther Hold vom Baubezirksamt Reutte beaufsichtigte. Mit 4 bis 4,5 m pro Minute walzten sich die Maschinen Richtung Pass.

Des einen Leid, des anderen Freud! „Traumhaft“, schmunzelte ein Radler, der den Fernpass gestern abgesehen vom Baustellenverkehr für sich allein hatte. In den beiden verkehrsgeplagten Gemeinden Obsteig und Tarrenz war die Sperre eine Erleichterung. „Deutlich weniger Verkehr“, registrierte BM Rudolf Köll aus Tarrenz. Was er möchte: eine Verkehrslösung, die über eine Tagessperre hinausgeht.

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