Montenegros Präsident: Russland und NATO unter einen Hut zu bringen

Brüssel/Kiew (APA) - Der montenegrinische Präsident Filip Vujanovic befürchtet keinen unmöglichen Spagat seines Landes zwischen Russland ein...

Brüssel/Kiew (APA) - Der montenegrinische Präsident Filip Vujanovic befürchtet keinen unmöglichen Spagat seines Landes zwischen Russland einerseits und der EU und der NATO andererseits. „Selbstverständlich bin ich der Meinung, dass die beiden Sachen unter einen Hut zu bringen sind“, sagte er am Mittwoch, nachdem er Bundespräsident Heinz Fischer in seinem Amtssitz in Cetinje empfangen hatte.

Montenegro führt seit knapp zwei Jahren Beitrittsverhandlungen mit der EU, und das kleine Balkan-Land, das sich 2006 aus dem restjugoslawischen Staatenbund mit Serbien löste, will auch Mitglied in der NATO werden. Zugleich ist das Land wirtschaftlich eng mit Russland verflochten. Viele Russen, die kein Visum brauchen, verbringen ihren Urlaub an der montenegrinischen Adria-Küste oder besitzen dort auch Immobilien. Russische Oligarchen sind in die montenegrinische Wirtschaft eingestiegen.

In der Ukraine-Krise hat Montenegro die Sanktionen der EU gegen Russland nachvollzogen. Vujanovic dazu: Wenn man der internationalen Familie angehören will, muss man die Standpunkte dieser Familie teilen und unterstützen.“ Hätte man die Sanktionen nicht im Einklang mit der EU verhängt, hätte dies die EU-Annäherung verzögert und auch die NATO-Bestrebungen beeinträchtigt, sagte der Präsident. Russland als großes Land werde einsehen, dass Montenegro die Ereignisse auf der Weltbühne nicht beeinflussen könne.

Vujanovic erhofft sich die Einladung zum NATO-Beitritt heuer im Herbst beim Gipfel der Allianz in Wales. Die NATO hat allerdings klar gemacht, dass es sich nicht um einen „Erweiterungsgipfel“ handeln werde. Neben Bundespräsident Fischer wurde auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Mittwoch zu Gesprächen in Montenegro erwartet.

Fischer sagte Montenegro bei der EU-Annäherung die Unterstützung Österreichs „in Wort und Tat, in Theorie und Praxis“ zu. Montenegro stehe an vorderster Stelle der Westbalkan-Staaten, die noch nicht EU-Mitglieder sind. Über ein Datum, wann die Beitrittsverhandlungen abgeschlossen werden könnten, wollte Fischer nicht spekulieren. Die EU hat Montenegro im Rahmen der Beitrittsgespräche stärkere Anstrengungen im Kampf gegen Korruption und die Organisierte Kriminalität auferlegt.

Auf dem Programm des Bundespräsidenten stand am Mittwoch in der Hauptstadt Podgorica auch ein Treffen mit Ministerpräsident Milo Djukanovic, der seit mehr als 20 Jahren die Politik Montenegros durchgehend prägt. Auch eine Delegation mit Dutzenden Wirtschaftstreibenden unter Führung von WKO-Präsident Christoph Leitl hielt sich am Mittwoch zu einem Wirtschaftsforum in Podgorica auf. Nach dem Niedergang der Schwerindustrie setzt Montenegro vor allem auf den Ausbau des Tourismus. Bisher sind aus Österreich vor allem Banken und Versicherungen in dem Land vertreten.

~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA330 2014-05-21/13:55