Justiz und Kriminalität

Haft für erfundene Vergewaltigung

Von Reinhard Fellner...

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Personen, die, aus welchen Gründen auch immer, andere fälschlich eines Sexualdelikts bezichtigen, richten immensen Schaden an. Gerät doch nicht nur der Angezeigte ins Visier der Justiz und seiner unmittelbaren Umgebung, sondern auch die Glaubwürdigkeit echter Opfer einer Sexualstraftat wird unnötig geschwächt.

Ein besonders krasses Beispiel eines solchen Fehlverhaltens setzte im März ein Innsbrucker Zimmermädchen. So hatte die junge Frau beim Stadtpolizeikommando trotz eingehender Belehrungen über die Folgen und Konsequenzen ihrer Anzeige einen Mann zweimal hintereinander der Vergewaltigung bezichtigt.

Banaler Grund für die lebenszerstörende Aktion: Die Frau hatte nach einem Seitensprung mit dem Angezeigten Angst vor dem misstrauisch gewordenen Lebensgefährten und machte die Liebesnacht deshalb kurzerhand zum erzwungenen Sexualakt. Für den bereits anderweitig vorbestraften Verdächtigen ein Albtraum, der bis heute nachwirkt: Einvernahmen zum Thema folgte Untersuchungshaft wegen Vergewaltigungsverdachtes. Die Lebensgefährtin, der der Mann seinen Seitensprung noch ehrlich gebeichtet hatte, verließ den Verhafteten inzwischen. Auch der Arbeitsplatz ging dem Mann verloren. Wieder auf freiem Fuß, musste sich der Verdächtige von seinen Kindern fernhalten. Alles Umstände, die bei dem Mann Selbstmordgedanken aufkommen ließen. Wohl auch deshalb, da der Vorbestrafte bei ungünstigem Prozessverlauf einen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft vor Augen hatte.

Erst spät – weit nach der zweiten Aussage – stellte die Frau ihre Angaben richtig.

Gestern am Landesgericht fiel der nun wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage Angeklagten lediglich ein, dass es „ihr leid tue“. Zu wenig für Richter Norbert Hofer: „Sie haben da einen Menschen im übelsten Bereich verleumdet, in dem man verleumden kann. Sie können doch nicht für ihren Seitensprung einen anderen ins Gefängnis bringen!“ Da sich die Frau in Deutschland schon Ähnliches geleistet hatte, ergingen von einem Jahr Haft drei Monate unbedingt. Hofer: „Nur wegen ihres späten Rückziehers müssen Sie nicht die gesamte Gefängnisstrafe verbüßen.“ Der fälschlich Bezichtigte hat übrigens bis heute keine Arbeit.

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