YLine-Strafprozess - Kein kurzer Prozess für angeklagten Ex-Vorstand

Wien (APA) - Am heutigen dreizehnten Verhandlungstag im YLine-Strafprozess in Wien wurde ein früherer Vorstand des Internet-Unternehmens ein...

Wien (APA) - Am heutigen dreizehnten Verhandlungstag im YLine-Strafprozess in Wien wurde ein früherer Vorstand des Internet-Unternehmens einvernommen. Ihm wird von der Anklage Untreue vorgeworfen, er weist die Vorwürfe zurück. Einem Antrag seines Anwalts auf Ausscheidung seines Verfahrens wurde vom Schöffensenat nicht stattgegeben. Nun muss der frühere Vorstand also weiter auf der Anklagebank sitzen bleiben.

Während der Rechtsanwalt des Ex-Vorstands, Klaus Ainedter, einen Ausscheidungsantrag stellte, sprach sich Staatsanwalt Alexander Marchart dagegen aus. Es seien noch nicht einmal alle elf Angeklagten einvernommen worden. Richterin Marion Zöllner verwies in ihrer Begründung ebenfalls darauf, dass die Einvernahmen der Angeklagten noch nicht abgeschlossen seien.

Der Ex-Vorstands betonte mehrmals, dass er nur für kurze Zeit im YLine-Vorstand saß. Der Angeklagte war vom 1. September 1999 bis zum 11. März 2000 als YLine-Vorstand im Firmenbuch eingetragen. Tatsächlich habe er bereits Ende Dezember aufgehört zu arbeiten, weil er damals dienstfrei gestellt wurde, so der Angeklagte. Vorgeworfen wird ihm nun Untreue im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung, die er - kurz vor seinem Ausscheiden - im Februar 2000 unterschrieben hatte.

Der Angeklagte selbst schilderte, wie er damals in die Firma gerufen worden sei, um etwas zu unterschreiben. Ihm sei versichert worden, dass alles in Ordnung sei - ein Wertgutachten der Wirtschaftsprüfer wäre vorgelegen und ebenso ein Aufsichtsratsbeschluss. Das Gutachten habe er damals allerdings nicht gelesen, nicht einmal hineingeschaut, räumte er heute ein. Nach einem Anruf bei seinem Anwalt habe er - damals noch Vorstand - die Kapitalerhöhung unterschrieben.

Konkret ging es um die Internet-Erotik-Schiene WebLine. Der Angeklagte hatte - gemeinsam mit YLine-Chef Werner Böhm und einer weiteren angeklagten Ex-Vorständin - zugestimmt, dass bei der YLine eine Kapitalerhöhung stattfand, bei entsprechender Erhöhung des YLine-Grundkapitals gegen Erhalt einer Sacheinlage in Form eines überbewerteten Anteils von 74 Prozent an der WebLine. Bei der Kapitalerhöhung wurden 15.058 YLine-Aktien ausgegeben zu je 100 Euro. Wegen des tatsächlich aber deutlich geringeren Werts der Sacheinlage sei der YLine alleine dadurch ein Schaden von zumindest einer Million Euro entstanden, so die Anklage.

Nach einigen Monaten bei der YLine schied der Angeklagte aus, weil „die Zusammenarbeit nicht klappte“, sagte er heute bei seiner Befragung. Er hätte sich auch mehr Ordnung und Strukturierung gewünscht, obwohl dies bei der schnell wachsenden New Economy-Firma nicht einfach gewesen sei, räumte er heute ein.

Von Richterin Marion Zöllner wurde der Angeklagte auch zu einem weiteren Punkt befragt: Böhm wird nämlich auch vorgeworfen, eine frühere YLine-Mitarbeiterin, die Mutter seines Kindes war, aus Firmengeldern bezahlt zu haben, ohne dass sie noch für die Firma tätig gewesen sei. Er habe von Gerüchten gehört und Böhm dazu befragt, aber „keine Antwort bekommen“, so der Angeklagte heute.

Das Unternehmen war erst 1998, also ein Jahr vor dem ersten Börsengang 1999, vom nun Hauptangeklagten Werner Böhm gegründet worden. Im Herbst 2001 meldete die YLine Konkurs an. Laut Anklage war die YLine aber schon spätestens Mitte Jänner 2001 zahlungsunfähig. Elf Angeklagte, frühere Vorstände und Aufsichtsräte sowie die damalige Wirtschaftsprüferin, sitzen nun im YLine-Strafprozess auf der Anklagebank, die Vorwürfe lauten auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung.

Der Prozess wird morgen Donnerstag im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts fortgesetzt.