Hochwasser - Weitere Evakuierungen in Serbien

Belgrad/Sarajevo/Zagreb (APA) - Die Hochwasserkatastrophe in Serbien, Bosnien und Kroatien nimmt kein Ende: In Bosnien hat sich die Lage an ...

Belgrad/Sarajevo/Zagreb (APA) - Die Hochwasserkatastrophe in Serbien, Bosnien und Kroatien nimmt kein Ende: In Bosnien hat sich die Lage an der Save am Mittwoch zwar stabilisiert, Probleme bereiteten noch Wassermassen, die sich ihre eigenen Wege bahnten. In Serbien wurden die letzten noch verbliebenen Bewohner der am schlimmsten betroffenen Stadt Obrenovac in Sicherheit gebracht.

In Serbien sind insgesamt mehr als 32.000 Menschen evakuiert worden. Tausende von ihnen wurden in Notunterkünften in Belgrad einquartiert. Für viele von ihnen wird es Wochen dauern, ehe sie in ihre Häuser zurückkehren können. In der Hauptstadt wurden die Ufer von Save und Donau durch Schutzdämme gesichert, die Stadt dürfte von Überflutungen verschont bleiben. Da viele Studenten beim Errichten von Schutzdämmen und in Notquartieren helfen, wurden an der Uni Belgrad für diese Woche angesetzte Prüfungen verschoben.

Durch Überflutungen sind in Serbien 3.500 der 17.000 Kilometer umfassenden höherrangigen Verkehrswege beschädigt oder zerstört worden. Das Land kann bei der Beseitigung der Hochwasserschäden - vorläufige Schätzungen gehen von einer Milliarden Euro aus - mit EU-Unterstützung rechnen.

In Bosnien ist die Befürchtung wahr geworden, dass durch das Hochwasser neue Gefahren durch Landminen ausgehen: In der Nähe der Stadt Brcko ist es am Mittwoch zur Explosion einer solchen Mine gekommen, bei der glücklicherweise niemand verletzt wurde. Das Zentrum für Minenräumung in Sarajevo appellierte an die Bevölkerung, gefundene Minen nicht zu berühren, sondern die Umgebung mit Warnschildern zu sichern. In Bosnien sind nach den Kriegen der 1990er-Jahre noch 1.215 Quadratkilometer - 2,4 Prozent der Landesfläche - vermint.

Weitere Gefahren stellen nach dem Zurückgehen des Wassers und durch steigende Temperaturen mögliche Seuchen dar: Jetzt drohe der Ausbruch von West-Nil-Fieber und die Verbreitung von Milzbrand, warnte Nihajd Fejsic von der Veterinärmedizinischen Fakultät in Sarajevo. In Maglaj und Doboj breitete sich starker Fäulnisgeruch aus. Müllberge, Schlamm und Staub prägten das Straßenbild.

In der nordbosnischen Stadt Orasje sind am Dienstagabend 19 Häftlinge aus einem überschwemmten Gefängnis geflüchtet. Bis Mittwochvormittag wurden alle wieder festgenommen. Die 100 weiteren Insassen wurden in Gefängnisse in Zenica und Tuzla verlegt.

Im Kroatien wurde nach einem Dammbruch an der Save Kritik an den Behörden laut: In der Ortschaft Rajevo Selo soll der erst 2010 erneuerte Damm durch kontinuierliches Abtragen von Sand und Schotter unterhöhlt worden sein. Die Kritik aus dem Dorf richtet sich an die staatliche Wasserwirtschaft und ein privates Unternehmen. In Medien waren Spekulationen aufgetaucht, wonach Schotter aus Rajevo Selo für den Autobahnbau verwendet worden sei. In den Hochwassergebieten in Slawonien stehen noch immer mehrere Orte komplett unter Wasser.