Stresstests - Für Moody‘s mehr faule Kredite bei Austrobanken möglich

Wien (APA) - Die Ratingagentur Moody‘s hält es für möglich, dass es im Zuge des Banken-Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) bei den...

Wien (APA) - Die Ratingagentur Moody‘s hält es für möglich, dass es im Zuge des Banken-Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) bei den geprüften österreichischen Banken zu einem Anstieg der notleidenden Kredite kommt. Moody‘s sieht u.a. die im Osten ausgereichten Fremdwährungskredite als Risikofaktor.

Die heurigen Bilanzchecks und Stresstests seien die strengsten Tests, die jemals durchgeführt worden seien, erklärte am Mittwoch der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien. Die Moody‘s-Prognosen wurden nicht näher kommentiert: „Wir schauen, was bei den Tests herauskommt. Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Im Oktober werden wir ein klares Bild haben und Maßnahmen daraus ableiten“, sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl am Mittwoch bei seiner Jahreskonferenz in Wien.

Dass Moody‘s das Ost-Engagement der heimischen Bank riskant sieht, überrascht die heimischen Aufseher nicht. Und dass es im Zusammenhang mit der Ukraine und Russland zu Problemen kommen könne, wisse man schon vor Moody‘s. „Wir sind mit jedem einzelnen Institut in einer sehr engen Kommunikation.“

Die FMA hat heute bestätigt, dass sie seit dem ersten Quartal 2014 den in der Ukraine und Russland aktiven österreichischen Großbanken Extra-Kapitalpuffer abverlangt und auch die „Meldefrequenz“ über den dortigen Geschäftsverlauf erhöht hat.

Raiffeisen hatte heuer im März nicht das erhoffte behördliche „Go“ für die komplette Staatsgeldtilgung erhalten. Es sei kein Geheimnis, dass dies mit Russland und der Ukraine zusammenhängt, sagte Ettl heute. Raiffeisen kenne die Voraussetzungen. Sobald die erfüllt seien, könnte die Gruppe die Staatshilfe zurückzahlen.

Generell, so räumte die FMA heute ein, habe man wegen der Entwicklung in der Ukraine und Russland viel weniger Bauchweh als man vor fünf, sechs Jahren gehabt hätte. Die heimischen Banken seien heute stärker aufgestellt als damals bei Ausbruch der Finanzkrise. Sie hätten heute mehr Eigenkapital, die Osttöchter seien weniger abhängig von Finanzierungen und Refinanzierungen der Mutter.

Bei der staatlichen Krisenbank Hypo Alpe Adria wird die FMA ab September nicht mehr für die Überwachung von Kapitalquoten zuständig sein, weil die Hypo bis dahin keine Banklizenz mehr haben wird, sondern in eine Abbaugesellschaft umgewandelt sein soll. Aus Sicht der Aufsicht sind die Zahlen von der Hypo aktuell relativ stabil, was dort nicht immer so gewesen sei. Damit sollten auch die Aussagen des Vorstands halten, der die Abbaukosten mit Stand März noch auf 4 Mrd. Euro geschätzt hat.

Die Hypo unterliegt nicht dem strengen „Bilanzcheck“, mit dem die Europäische Zentralbank (EZB) die Großbanken in Österreich derzeit durchleuchtet. Gecheckt werden BAWAG, Erste Group, RZB, die Raiffeisenlandesbanken von Niederösterreich und Oberösterreich, die ÖVAG und indirekt über UniCredit die Bank Austria. „Wir wissen über die Stärken und Schwächen der österreichischen Banken durchaus sehr gut Bescheid“, so der FMA-Vorstand heute. Im allgemeinen sei auch der Öffentlichkeit bekannt, wo man genau hinschauen müsse.

Die Ratingagentur Moody‘s geht davon aus, dass es bei den österreichischen Banken im Zusammenhang mit dem Bilanzcheck (AQR) durch die EZB zu einigen „länderspezifischen Anpassungen“ kommt. Mehrere Einflüsse könnten, so die Agentur, das Ergebnis des „Asset Quality Review“ (AQR) ungünstig beeinflussen. Die Analysten verweisen dabei auf die vielen Fremdwährungskredite in Osteuropa. Solche Portfolios dürften reklassifiziert werden oder es werde eine zusätzliche Unterlegung nötig, so die Analysten. Aufgrund der vielen involvierten osteuropäischen Länder sei das Ausmaß der Anpassungen bei den Problemkredite bei den österreichischen Banken unklarer als bei anderen Banken.

Moody‘s schätzt, dass die österreichischen Banken, die am Bilanzcheck teilnehmen, 5 Mrd. Euro an Kapital haben, das über der für den Test notwendigen 8-Prozent-Minimum-Marke für das Kernkapital liegt.

Für die Raiffeisen Bank International (RBI) und die Bank Austria stellen die politischen Unruhen in der Ukraine und der wirtschaftliche Druck in Russland ein erhöhtes Risiko dar, heißt es in der Moody‘s-Analyse weiter. Dies könnte zu höheren Kapitalerfordernissen führen als bisher erwartet. Beide Banken hätten signifikante lokale Geschäfte in diesen Ländern. Die Bilanzsumme der Raiffeisen- und Bank-Austria-Töchter lag in der Ukraine Ende des Vorjahres zusammen bei 8 Mrd. Euro. In Russland waren es kumuliert mehr als 35 Milliarden. Die Ratingagentur macht auf Belastungen durch Währungsabwertungen und weitere Konjunkturabschwächungen aufmerksam.