Strafvollzug - Experte ortet „Organisationsprobleme“

Wien/Krems/Stein (APA) - Im Hinblick auf den verwahrlosten 74-jährigen Häftling in der Justizanstalt Krems-Stein ortet Walter Hammerschick, ...

Wien/Krems/Stein (APA) - Im Hinblick auf den verwahrlosten 74-jährigen Häftling in der Justizanstalt Krems-Stein ortet Walter Hammerschick, Geschäftsführer des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, „Organisationsprobleme“. Der Strafvollzugs-Experte sprach sich am Mittwoch gegenüber der APA für eine „grundlegende Analyse der Vollzugsbedingungen und der Organisationsstrukturen“ aus, „um solche Dinge zu verhindern“.

„Wenn ein Beamter Fehler macht, ist dies das eine. Dass das im Gesamtsystem so einfach untergehen kann, ist das zentrale Problem“, sagte Hammerschick. Bezogen auf den konkreten Fall „kann es nicht damit getan sein, dass einzelne Köpfe rollen. Man muss im Detail die Strukturen untersuchen, die dazu geführt haben. Ressourcen spielen dabei sicher eine Rolle“.

Wesentliche Aufgabe des Maßnahmenvollzugs sei es, ein entsprechendes Behandlungsangebot zu schaffen, um einen Häftling nach Verbüßung der über ihn verhängten Freiheitsstrafe wieder entlassen zu können. Der menschenunwürdige Zustand, in dem der 74-Jährige in seiner Zelle in Krems-Stein vorgefunden wurde, „lässt Zweifel an der Behandlung aufkommen“, bemerkte Hammerschick.

Darüber hinaus lege der Anlassfall nahe, „über entsprechende Rechtsschutzmaßnahmen für im Maßnahmevollzug Angehaltene nachzudenken“, gab der Experte zu bedenken. Für andere zwangsweise angehaltene psychisch Kranke seien diese - etwa in Form der Patientenanwaltschaften - gegeben.