Israel gegen internationale Ermittlung zu getöteten Palästinensern

Jerusalem/Ramallah/New York (APA/AFP) - Ein Video, das angeblich die willkürliche Erschießung zweier palästinensischer Jugendlicher durch di...

Jerusalem/Ramallah/New York (APA/AFP) - Ein Video, das angeblich die willkürliche Erschießung zweier palästinensischer Jugendlicher durch die israelische Armee zeigt, hat zu Spannungen zwischen Israel und dem Ausland geführt. Außenminister Avigdor Lieberman wies am Mittwoch Forderungen nach einer internationalen Untersuchung zurück. Die Vereinten Nationen und die USA hatten zuvor Aufklärung zu dem Fall gefordert.

„Solch ein Zwischenfall wird hier auch ohne jede Aufforderung untersucht“, sagte Lieberman bei einem Besuch der Siedlung Ariel im besetzten Westjordanland. „Das ist Teil des Moralcodes der israelischen Armee.“ Lieberman bezeichnete Kritik aus dem Ausland als „Heuchelei“.

Das von einer Überwachungskamera aufgenommene Video war am Dienstag von der Hilfsorganisation Defence For Children International veröffentlicht worden. Es zeigt zwei Passanten, die im Abstand von einer Stunde an der gleichen Straßenstelle nahe Ramallah plötzlich zusammenbrechen. Umstehende eilen hinzu und versuchen zu helfen. In der Nähe hatten sich zugleich Zusammenstöße von steinewerfenden Demonstranten mit israelischen Grenzpolizisten ereignet, von denen aber auf dem Filmmaterial nichts zu sehen ist.

Die Palästinenserführung warf der israelischen Armee unter Verweis auf die Aufnahmen „willkürliche Hinrichtungen“ vor. Ein Armeesprecher erklärte, das „Videomaterial wurde bearbeitet und spiegelt nicht wieder, was an dem Tag wirklich an Gewalt passiert ist“. Interne Ermittlungen hätten bisher keinen Hinweis auf den Einsatz von scharfer Munition durch Soldaten oder Polizisten ergeben. Ärzte, die den Tod der nach palästinensischen Angaben 16 und 17 Jahre alten Opfer festgestellt hatten, berichteten, die Verletzungen könnten nicht von Gummigeschoßen, sondern nur von Gewehrkugeln stammen.

Es sei „ernsthaft beunruhigend“, dass die beiden Jugendlichen getötet wurden, obwohl sie nach ersten Informationen unbewaffnet gewesen seien und keine direkte Bedrohung darstellten, sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär für politische Fragen, Oscar Fernadez-Taranco. Die UNO fordere daher eine unabhängige und transparente Untersuchung des Vorfalls vom vergangenen Donnerstag.

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums betonte, es müsse sofort und nachvollziehbar geklärt werden, ob die Schüsse verhältnismäßig gewesen seien. Auch die diplomatischen Vertretungen der EU in den Palästinensergebieten schlossen sich am Mittwoch der Forderung nach einer eingehenden Untersuchung an.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichte das UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge am Mittwoch Statistiken, nach denen die Zahl der von den israelischen Sicherheitskräften getöteten und verletzten palästinensischen Flüchtlinge in den besetzten Gebieten zuletzt stark angestiegen ist. Nachdem diese Zeichenfälle schon 2013 deutlich zugenommen hätten, seien in diesem Jahr bereits 43 Flüchtlinge bei Protesten durch scharfe Munition verletzt oder getötet worden, während es im Vergleichszeitraum des Vorjahres 10 waren.

+++ Das Video im Internet: www.dci-palestine.org/documents/israeli-forces-shoot-and-kill-two-pa lestinian-teens-near-ramallah +++