Anna Politkowskaja: Unerschrockene Reporterin und Putin-Gegnerin

Moskau (APA/dpa) - Die russische Journalistin Anna Politkowskaja hat sich in den 1990er-Jahren als mutige Kritikerin des Tschetschenien-Krie...

Moskau (APA/dpa) - Die russische Journalistin Anna Politkowskaja hat sich in den 1990er-Jahren als mutige Kritikerin des Tschetschenien-Kriegs international einen Namen gemacht. Die Eindrücke der Zerstörungen im Nordkaukasus brachten die 1958 geborene Publizistin in scharfe Gegnerschaft zum Sicherheitsapparat und zu Präsident Wladimir Putin.

Am 7. Oktober 2006 erschoss ein Unbekannter die zierliche Frau mit Brille und grauem Haar vor ihrer Wohnung in Moskau. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. Für Vorwürfe, die Spur führe in Russlands Machtapparat, wurden nie Beweise präsentiert. „Dieser Mord hat Russland mehr geschadet als Politkowskajas Texte“, meinte Putin.

Die zweifache Mutter (Sohn Ilja und Tochter Vera) arbeitete ab 1999 für die Oppositionszeitung „Nowaja Gaseta“, deren Mitherausgeber Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow ist. Auf Reportagereisen knüpfte sie Kontakte zu tschetschenischen Kämpfern, Zivilisten, Flüchtlingen und auch zu russischen Soldaten.

Die in New York geborene Diplomatentochter war kein einfacher Gesprächspartner, weil sie von ihrer Mission beherrscht war, die „Wahrheit“ über die Zustände in Russland ans Licht zu bringen. Politkowskaja beklagte stets auch eine „zu enge“ Freundschaft Deutschlands zu Putin. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Preise.

Auf Deutsch erschienen etwa „Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg“ (2003) und „In Putins Russland“ (2005). Nach ihrem Tod wurden neue Übersetzungen herausgegeben, unter anderem in Deutschland.