Kunst

Der Künstler als Chronograf

© Rainer Iglar

Eine Art Familientreffen ist die Ausstellung zum 50-Jahr-Jubiläum der Galerie im Taxispalais geworden: Neun Künstlerinnen und Künstler aus Tirol setzen zum „Zeitsprung“ an.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Ein wenig erweckt die Jubiläumsschau zu 50 Jahren Galerie im Taxispalais den Eindruck, man habe es mit einer Leistungsschau dessen zu tun, was Tirol an zeitgenössischen Künstlern „hervorgebracht“ hat. Wobei die große Mehrheit von ihnen bekanntlich früh ausgeflogen ist, um etwa in Wien zu studieren. Und zu internationalen Karrieren mit Beteiligungen an Großausstellungen wie documenta oder Venedig-Biennale anzusetzen, die neben der Tiroler Herkunft ein Kriterium für die Einladung zu dieser Geburtstagsschau war. Es gibt freilich schlechtere Gründe, um an einen Ort zurückzukehren, der für manch einen das erste Fenster zur internationalen Kunstwelt war und damit auch zur Künstlerwerdung beigetragen hat: Etwa für Peter Kogler, der sich daran erinnert, wie er in den 70ern in der Taxisgalerie als 13-Jähriger erstmals der Faden-Skulpturen von Fred Sandback ansichtig wurde. Oder der visuellen Poesie des 2010 verstorbenen Heinz Gappmayr.

Gappmayr ist es schließlich auch, der den Anstoß für den Ausstellungstitel „Zeitsprung“ gegeben hat, an der zwei Künstlerinnen und sieben Künstler beteiligt sind: Ist doch die Zeit – als Begriff, als Text, als visuelles Zeichen – ein Motiv, das sein gesamtes Schaffen durchzieht. Die unterschiedlichen Aspekte des Seins in einer scheinbaren Linearität gegenübergestellt hat Gappmayr in der Schriftarbeit „war ist wird“, die jetzt auf der Betonwand im Außenraum der Galerie zu sehen ist. Und sich sowohl als Projektionsfläche für Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Galerie, als auch als thematischer Anknüpfungspunkt eignet. Dass die meisten der hier versammelten Arbeiten in gewisser Weise mit dem Zeit-Thema verknüpft sind, habe sich wie von selbst ergeben, sagt Galerie-Chefin Beate Ermacora. Dem Künstler stehen als Chronograf freilich auch unendlich viele Möglichkeiten offen – nicht immer aber werden sie so treffsicher genutzt wie von Martin Walde, der aus einem der Galerie-Architektur elegant einverleibten, bauchigen Behältnis alle sechs Minuten ein Kalenderblatt herabsegeln lässt. In einer Stunde vergehen so zehn Tage – während bei Lois Weinbergers „Invasion“ der Zahn der Zeit in Form von über eine lebensgroße Figur wuchernden Schwämmen an der menschlichen Natur nagt.

Bei der stets am Moment des Flüchtigen interessierten Eva Schlegel vergeht die Zeit nicht nur sprichwörtlich wie im Flug, sie läuft vielmehr auf jenen Rotorblättern mit, die durch die Geschwindigkeit zu Tragflächen für auf sie projizierte Filmaufnahmen von fliegenden und fallenden Menschen werden: Eine Fortführung von Schlegels 2010 im Wiener MAK gezeigter, poetischer Flugzeugrotoren-Installation. Die zweite Künstlerin im Bunde setzt sich mit dem in den 1920er Jahren zu großer Berühmtheit gelangten und damals in Seefeld wohnhaften deutschen Tänzer und Choreografen Harald Kreutzberg auseinander – im Rahmen der heutigen Eröffnung wird Carola Dertnig auch eine Performance zum Tanzporträt zeigen. Peter Kogler wiederum bringt einmal mehr einen Raum zum Pulsieren, indem er ihn über und über in ein schwarzweißes, computergeneriertes Liniengeflecht taucht.

Womit sich diese Schau am Ende als Spiegel der Vielfalt zeitgenössischen Kunstschaffens – eben mit Tiroler Wurzeln – entpuppt. Inklusive der imposanten „Skulls“ des Bildhauers Peter Sandbichler, Hans Weigands aus Versatzstücken historischer Druckgrafiken „gebauten“ neuen Bildern oder Martin Gostner, der ausgehend von der Idee des Erkers als „hybrider Raum und Mittler zwischen Innen und Außen“ Interventionen im öffentlichen Raum und deren Ableitungen erschafft. Diesmal auf Maria Waldrast bezogen, woher sogar Heilwasser an eine Trinkstation in die Galerie verfrachtet wurde („Supersäfte Superkräfte“). Neben der Gostner aus von Blähungen geplagten Schafen auch eine neue, etwas infantile Spezies von furzenden Superhelden kreiert.

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