Cello-Stars im dissonanten Dvorak-Gleichklang - Klassiknews

Wien (APA) - Der Klassikmarkt ist heiß umkämpft. Dennoch passiert es nur selten, dass zwei Stars ihres Fachs unabhängig voneinander beinahe ...

Wien (APA) - Der Klassikmarkt ist heiß umkämpft. Dennoch passiert es nur selten, dass zwei Stars ihres Fachs unabhängig voneinander beinahe ein gleiches Album veröffentlichen. Bei den beiden Cellisten Daniel Müller-Schott und Alisa Weilerstein ist dies mit ihren beiden aktuellen Dvorak-Platten nun jedoch der Fall - was allerdings einen interessanten Vergleich zweier Ausnahmesolisten ermöglicht.

Der Deutsche Müller-Schott hat „Dvoraks. The Cello Works“ bei Orfeo mit dem NDR Sinfonieorchester unter Michael Sanderling eingespielt. Dabei nimmt der 37-Jährige mit Antonin Dvoraks Cellokonzert in h-Moll (op. 104) eines der Kernstücke der romantischen Literatur als Nukleus. Flankiert wird das große Konzert von weiteren Werken für Cello und Klavier respektive Kammerbesetzung.

So bietet Müller-Schott einen Überblick über die Cello-Arbeiten Dvoraks - und darüber hinaus. Schließlich hat der Cellist die ursprünglich für Violine und Klavier geschriebenen „Romantischen Stücke“ (op. 75) und „Als die Alte Mutter „ (op. 55) für sein Instrument transkribiert.

Alisa Weilerstein hat sich für das Label Decca mit der Czech Philharmonic Orchestra unter dem Experten für böhmische Musik, Jiri Belohlavek, zusammengespannt. Auch die US-Amerikanerin ergänzt das zentrale Konzert um „Rondo“, „Songs my mother taught me“, „Silent Woods“ und „Slavonic Dance“. Einzig anstelle der „Romantic Pieces“ setzt Weilerstein auf einen für Cello bearbeiteten Ausschnitt aus Dvoraks Symphonie Nr. 9.

Ungeachtet des beinahe identen Programms und der ähnlichen Covergestaltung, die die beiden Solisten jeweils idyllisch im Wald zeigt, offenbart sich in der Interpretation ein höchst unterschiedlicher Ansatz. Müller-Schott spielt die böhmischen Reminiszenzen mit Gourmetzunge aus, vermischt sie mit Tönen der US-amerikanischen Wahlheimat Dvoraks und schwelgt in den Natureindrücken.

Die 32-jährige Weilerstein hingegen hält sich mit derlei Gemächlichkeiten nicht auf und durcheilt mit den Fingern über die Saiten fliegend die Stücke. Ihr Dvorak hat Ecken und Kanten, bewusste Dissonanzen. Mal grundelt sie in den moosigen Waldtiefen, um sich dann flink in höchstes Flirren der Baumkronen zu retten. Naturromantik ist hier ersetzt durch virtuose Brillanz. Zu welcher Interpretation man greift, muss der Klassikfan nach eigenem Gusto entscheiden.