Zu Weltruhm ohne Quote - Wolfgang Muthspiel mit neuem Album

Wien (APA) - Er hat es auch ohne Quote geschafft: Wolfgang Muthspiel spielt in der ersten Liga der Jazz-Gitarristen - und das international....

Wien (APA) - Er hat es auch ohne Quote geschafft: Wolfgang Muthspiel spielt in der ersten Liga der Jazz-Gitarristen - und das international. Fast wie eine Adelung wirkt da das neue Werk des gebürtigen Judenburgers: „Driftwood“ ist sein erstes Album als Bandleader für das legendäre ECM-Label. Als Mitstreiter hat er mit Bassist Larry Grenadier und Schlagzeuger Brian Blade zwei weitere Stars der Szene gewonnen.

Großteils offene bis sphärische Klänge haben die drei Musiker auf „Driftwood“ zu bieten. Geschrieben wurden die acht Tracks durchwegs von Muthspiel selbst, der dabei ganz konkret seine Kollegen im Sinn hatte, wie er im APA-Interview sagte: „Ich mag das, wenn man sich die Musiker beim Schreiben vorstellt. Das ist natürlich ein absoluter Hochgenuss“, streut er den Fähigkeiten von Grenadier und Blade Rosen. Ohnehin kennt man einander bereits aus vergangenen Projekten. „Man könnte diese Stücke auch mit anderen Leuten live spielen - aber natürlich würde es dann anders klingen“, schwört Muthspiel auf die aktuelle Besetzung, die am Montag live im Wiener Konzerthaus zu hören ist.

Erst einen Monat vor der Aufnahme hatte sich Muthspiel hingesetzt, um die Songs zu komponieren, lediglich „Lichtzelle“ stammt aus früheren Tagen. Mit „Joseph“ und „Bossa For Michael Brecker“ hat er Hommagen an zwei bereits verstorbene Kollegen komponiert, wobei die erstgenannte Joe Zawinul gewidmet ist. „Das hat aber nicht viel mit deren Tod zu tun“, stellt der Gitarrist klar, „das war eher eine Klang-Assoziation, die ich hatte“. Andere Assoziationen spielten bei „Madame Vonn“ mit - ein im Fernsehen verfolgter Unfall der US-amerikanischen Skirennläuferin hatte Muthspiel zu dem Stück auf der akustischen Gitarre bewegt.

Völlig improvisiert ist auf „Driftwood“ das Titelstück, das wie das gesamte Album im Rainbow Studio in Oslo aufgenommen wurde. Ob ein Nachfolgealbum in dieser Besetzung geplant ist? „Das hoffe ich, aber ich kann das jetzt noch nicht sagen.“ Vorerst steht aber eine andere Veröffentlichung an: Das Nachfolgeprojekt zu „Vienna Naked“, wobei sich Muthspiel als Singer/Songwriter profiliert hatte. Diesmal ging er es größer an, tourte durch die Welt und nahm mit Musikern vor Ort Stücke auf. Mit dabei sind etwa der argentinische Pianist Guillermo Klein, die US-amerikanische Sängerin Becca Stevens, der österreichische Geiger Benjamin Schmid und die Rhythmus-Gruppe der norwegischen Pop-Band a-ha.

Trotz - wie in jedem Genre - schwindender Plattenverkäufe und dem derzeitigen Nischendasein des Jazz ist Muthspiel nicht zum Kulturpessimisten geworden. „Ich glaube, es hat sich sehr aufgesplittet in viele gute Einzelstimmen“, meint er zur Szene. „Jazz is in a funny place, glaube ich. Und ich hoffe, dass es bald einen ganz Jungen gibt, der richtig Wellen schlägt.“ Leid tut es dem Gitarristen um das Format des Albums, das im voll digitalisierten Zeitalter aussterbe. „Diese Strecke finde ich sehr sinnvoll, mit den Tracks hört sich das auf. Man hat zwar auf einer Harddisk die gesamte Jazz-Geschichte. Aber wie viel hört man davon? Es wäre besser, man hat zwei Alben und hört die tausend Mal.“

Einen Pflichtanteil für österreichische Musiker im öffentlich-rechtlichen Radio hält Muthspiel für fragwürdig. „Wie sinnvoll ist es, wenn man gespielt wird, weil es eine Quote gibt? Natürlich hätte es für die Musiker gute finanzielle Folgen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das der Weg ist.“ Dem seit Jahrzehnten international erfolgreichen Musiker schweben andere Maßnahmen vor. „Ich fände zum Beispiel gut, wenn man einfach sehr gute Journalisten Radiosendungen machen lässt zu Zeiten, wo Leute wirklich zuhören. Und die sollen dann spielen, was sie wollen - ob das Österreicher sind oder nicht.“

Auch Song Contest-Siegerin Conchita Wurst ist an Muthspiel nicht spurlos vorbeigegangen: „Ich habe an dem Abend selbst gespielt, habe es aber nachgeschaut“, berichtet er von dem Abend. „Prinzipiell finde ich das eine gute Sache. Sie ist eine überlegte Person, die eine gute Message und eine gewisse politische Dimension hat.“ Selbst will der Gitarrist aber keine Botschaften verbreiten: „Ich glaube, es gibt eine Message, die im Klang liegt. Aber das ist sicher kein Aktivismus.“

(S E R V I C E - Konzert „American Trio“: Wolfgang Muthspiel, Larry Grenadier, Brian Blade, im Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal, 26. Mai, 19.30 Uhr; http://www.facebook.com/wolfgang.muthspiel)