Ukraine-Krise

Separatisten sprengen Brücke in Ostukraine, bis zu 20 Tote bei Gefechten

Prorussische Separatisten haben eine Brücke gesprengt, um ukrainische Truppen zu behindern. Unterdessen gibt es erste Anzeichen für einen russischen Abzug.

Kiew – Mit der Sprengung einer Brücke haben militante Aktivisten in der Ostukraine das Vorrücken von Regierungseinheiten im Raum Lissitschansk verzögert. Die Sicherheitskräfte hätten in der Früh mit gepanzerten Fahrzeugen den Ort rund 90 Kilometer nordwestlich der Gebietshauptstadt Lugansk erreicht, sagte Separatistenführer Alexej Tschmilenko am Donnerstag.

Die pro-russischen Kräfte brachten daraufhin die Verkehrsverbindung über einen Nebenfluss des Don zum Einsturz. Es habe zudem Schusswechsel gegeben, sagte Tschmilenko.

Separatisten: Mindestens 20 Tote bei Gefechten

In der Ostukraine sollen bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und pro-russischen Kräften am Donnerstag zudem mindestens 20 Menschen getötet und mehr als 42 verletzt worden sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die Gefechte hätten sich nahe Wolnowacha etwa 60 Kilometer südlich von Donezk ereignet, sagte Separatistenführer Wladimir Makowitsch von der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“ nach Angaben der Agentur Interfax. Regierungsnahe Quellen in Kiew hatten zuvor berichtet, dass in Wolnowacha neun Soldaten erschossen und 17 verwundet worden seien. Es ist damit der blutigste Tag für die Streitkräfte seit Beginn ihrer Offensive gegen die pro-russischen Rebellen im April.

Kiew bittet Sicherheitsrat um Dringlichkeitssitzung

Die Führung in Kiew hat den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterdessen um eine Dringlichkeitssitzung gebeten. Vor der Präsidentenwahl an diesem Sonntag würden sich die Hinweise auf „russische Sabotageakte“ häufen, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk am Donnerstag in Kiew.

„Wir werden bei der Sitzung Beweise vorlegen, dass Russland mit einer Eskalation des Konflikts die Präsidentenwahl vereiteln will“, betonte der Politiker. Russland hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, die Abstimmung zu behindern. Zuletzt hatte Kremlchef Wladimir Putin gesagt, er habe Einheiten von der ukrainischen Grenze zurückbefohlen, „um die Lage zu beruhigen“. Die NATO bestätigte am Donnerstag erstmals erste Anzeichen für einen Truppenrückzug.

Noch nicht sicher, ob russische Truppen abziehen

Der militärische Oberkommandant der NATO, US-General Philip Breedlove, ist sich über die Einschätzung der russischen Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine jedoch noch nicht sicher. „Wir sehen etwas Bewegung. Das Ausmaß und der Umfang sind noch nicht ganz klar“, sagte er am Donnerstag in Brüssel vor Journalisten.

Auf die Frage, ob es sich um einen russischen Truppenabzug handle, sagte er: „Ich weiß es nicht. Das kann man noch nicht sagen.“ Die Truppenbewegungen beschränkten sich auf einen von drei Bereichen an der Grenze, in denen Russland nach NATO-Schätzungen insgesamt 45.000 bis 50.000 Soldaten stationierte. „Was an der Grenze bleibt ist eine sehr große Truppe, die vielleicht geringfügig verringert wurde.“

Die Truppe könne jeden Auftrag erledigen, der ihr gestellt werde: „Und diese Truppe steht in einer bedrohlichen Position und ist in der Lage, weiterhin Druck auf die Regierung in Kiew auszuüben.“ Die NATO beobachte die Truppenbewegungen genau: „Aber wir werden noch etwas Zeit brauchen, um genau zu sagen, um wieviele Soldaten es hier geht.“

Fortschritte bei OSZE-Gesprächen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erkennt einen Fortschritt bei den Runden Tischen zur Konfliktlösung. Das sagte Wolfgang Ischinger am Donnerstag vor Journalisten in Kiew, der den OSZE-Vorsitz für die Runden Tische innehat. „Sie beginnen zu funktionieren.“

Er erkenne „einen gewissen Grad von Bereitschaft“ Russlands, die ukrainischen Wahlen zu akzeptieren und einen Stabilisierungsprozess nicht zu behindern. Er sehe Anzeichen, dass Russland „Signale“ in diese Richtung sende, so Ischinger. Die Runden Tische müssten nach der ukrainischen Präsidentschaftswahl vom Sonntag fortgesetzt werden. Für die Wahlzeit hat die OSZE alle Konflikt-Parteien in der Ukraine aufgerufen, die Waffen niederzulegen.

Der Diplomat entkräftete die Vorwürfe gegen Kiew, die Separatisten nicht an den Tisch zu holen für eine Konfliktlösung. „Die Separatisten haben immer wieder und wieder erklärt, das letzte, was sie tun wollten, wäre sich mit der Regierung an einen Tisch zu setzen“, sagte Ischinger am Donnerstag in Kiew vor Journalisten. „Geben Sie die Schuld nicht nur der Kiewer Regierung.“ (APA/dpa/AFP)

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