Glucks „Orfeo“ in Graz: Extrahoher Counter schuf abgehobene Stimmung

Graz (APA) - Einen Orpheus wie aus einer körperlosen, lichterfüllten Welt hat der Countertenor Valer Sabadus bei einer konzertanten Aufführu...

Graz (APA) - Einen Orpheus wie aus einer körperlosen, lichterfüllten Welt hat der Countertenor Valer Sabadus bei einer konzertanten Aufführung von Glucks „Orfeo ed Euridice“ am Mittwoch in Graz geschaffen. Mit dieser außergewöhnlichen Stimme ließ sich die selten gespielte Parma-Fassung der Oper realisieren, was Dirigent Michael Hofstetter mit dem Orchester recreationBarock in der Helmut-List-Halle gut gelang.

Berühmt wurde die Oper von Christoph Willibald Gluck in der Wiener Fassung von 1762, später gab es auch die Pariser Version. Doch für den Sopran-Kastraten Giuseppe Millico änderte der Komponist sein Werk, und so entstand die 1769 erstmals in Parma gezeigte Fassung. Seit damals wurde sie so gut wie nie gespielt, da der Part in dieser Höhe für normale Countertenöre kaum zu singen ist. Valer Sabadus, spezialisiert auf besondere Partien für dieses Fach, gestaltete die Orpheus-Partie nun auf außergewöhnliche Weise.

Glucks Oper ist sehr reduziert und intensiv, es gibt nur drei Personen - Orpheus, Euridice und Amor - und einen sehr prägnanten Chor. Den Beginn macht bereits die Totenklage, in die der verzweifelte Witwer seine Verzweiflung hinein schreit. Durch die extrem helle, völlig abgehobene Stimme von Valer Sabadus hat diese Klage allerdings eher etwas Unwirkliches, es klingt wie eine Stimme aus dem Himmel, einen schmerzlichen Unterton oder den Ausdruck menschlicher Gefühle vermisst man in diesem perfekten Instrument etwas.

So wird auch das Duett mit Euridice am Ende keine dramatische Auseinandersetzung, sondern stellt einen wunderbar gelungenen Zusammenklang der Stimmen dar. Tatjana Miyus (Euridice) hat keine große, aber eine sehr klare Stimme und gestaltet ihren kurzen Auftritt berührend, Tanja Vogrin (Amor) darf neben ihrem Gesang auch ihre Harfenkünste unter Beweis stellen. Michael Hofstetter konzentriert sich auf den Schönklang vor allem von Sabadus Stimme, den Chor (Vocalforum Graz) lässt er ein wenig farblos tönen, das Orchester klingt dagegen wesentlich nuancierter.

Stimmungsvoll waren die Lichteffekte, die die Bühne einrahmten: Blau für die Trauer, ein strahlendes Gold für die Welt der Seligen und ein Rot für den Sieg der Liebe am Ende.

(S E R V I C E - http://recre.at)