Standort Tirol

Im Mekka der Braunviehzucht

Das Paznaun hat sich zur Tiroler Hochburg der Braunviehzüchter entwickelt. 310 Tiere bedeuten neuen Rekord bei Talausstellung. Kooperation mit dem Tourismus funktioniert.

Von Toni Zangerl

Ischgl –Robbie Williams lockte vor Kurzem Tausende Fans nach Ischgl. Aber auch Stars der etwas anderen Art standen kürzlich im Rampenlicht – die Tiere der Braunviehzüchter. Das Paznaun hat sich zur Tiroler Hochburg dieser Zunft entwickelt – sehr zur Freude von Emil Zangerl, Vizeobmann des Tiroler Verbandes sowie Züchter und Organisator der traditionellen Talausstellung.

Mit 310 Tieren (neuer Rekord) von 61 Züchtern bewies die jüngste Schau der „Braunen“ in Ischgl, dass Tourismus und Landwirtschaft sehr gut miteinander leben können. Reinhard Winkler, Geschäftsführer des Tiroler Braunviehzuchtverbandes brachte seine Wertung so auf den Punkt: „Neben der hervorragenden Kalbinnenqualität wird das Paznaun immer mehr zur Hochburg für Super-Kuhklassen.“

Den Grund für den Braunvieh-Boom im Paznaun ortet Emil Zangerl in der „tief verwurzelten Bodenständigkeit der bäuerlichen Bevölkerung. „Das Umfeld passt, die Kooperation mit Tourismus und der Seilbahngastronomie funktioniert“, sagte der langjährige Verbandsfunktionär.

Rund 60 Bauern, davon 40 Braunviehzüchter gibt es allein in Ischgl und Mathon. 150 Kühe stehen unter ständiger Milchleistungskontrolle, viele Betriebe sind mit der Hartkäseproduktion im Verein „Genussregion Paznauner Almkäse“ erfolgreich. Milchprodukte und Fleischspezialitäten werden im Winter in den Restaurants im Skigebiet angeboten.

Warum funktioniert auch die Nachfolge bei den Tierzüchtern? Zangerl erläutert: „Weil man längst weiß, dass ohne Landwirtschaft kein Tourismus floriert. Weil die Verbundenheit von der älteren Generation vorgelebt wird und die Jungen eine große Leidenschaft im ganzen Tal entwickeln. Und weil die Förderrichtlinien klar sind. Ohne Vieh gibt es bei uns auf den Almen kein Leben.“

Auch eine gewisse Toleranz sei wichtig, betont der Braunvieh-Funktionär. Entscheidend sei, dass Tiere auf den Almen weiden – egal welche. Zum Thema Zucht und Zuchtziele findet Zangerl klare Worte: „Leistungssteigerung ist nie ein Ziel für uns. Aber die richtige Kuh im richtigen Stall und im richtigen Ort unseres Tales zu haben, das ist ein wichtiges Gebot für uns Züchter.“

Auch etwa 30 Kinder haben bei der Talausstellung ihre Kälber den zahlreichen Besuchern vorgeführt. „Wenn man die Begeisterung dieser Kinder mit den Jungtieren sieht, braucht einem nicht bange sein um die Zukunft der Braunviehzucht im Tal“, freuten sich die Funktionäre.

Zur Frage, warum die Paznauner so intensiv auf das Braunvieh setzen, erklärten Winkler und Zangerl: „Längste Nutzungsdauer, hohe Lebensleistung der Kühe, ideal für die Alpung wegen der harten Klauen und dem guten Fundament. Die Braunviehmilch eignet sich sehr gut für die Herstellung von Hartkäse.“ Im Vergleich zur Milch von anderen Rassen werde mit Braunviehmilch bis zu zehn Prozent mehr Hartkäse gewonnen. Die Tiere sind, so Winkler, gut vermarktbar, besonders in heißen Regionen, weil das Braunvieh sehr hitzetolerant ist. Zum Thema Schönheit bemerkt er: „Das ist eine Sache, die im Auge des Betrachters liegt. Braune Kühe sehen schön aus. Die Bewegungen sind anmutig, das Auftreten elegant, die Körperformen ebenmäßig und stimmig.“

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